2.Weihnachtstag
26.12.: Predigt am 2.Weihnachtstag 2003
Liebe Weihnachtsgemeinde!
Was kann uns also solch eine Weihnachtspyramide über die Bedeutung von Weihnachten sagen?
Das erste und naheliegendste ist wohl dies. Da ist einiges in Bewegung.
Anders als bei Krippe, dreht sich hier etwas, da geht es rund.
Da drehen sich die Hirten und ihre Herden.
Da drehen sich die Weisen aus dem Morgenland.
Und auch die Engel ziehen ihre Kreise.
Es ist schon beeindruckend, was da alles in Bewegung ist!
Eigentlich gehörten auch wir auf dieses Weihnachtskarusell, denn irgendwie drehen wir uns auch mit. Jedes Jahr aufs Neue beteiligen wir uns am dem großen Rundlauf um Weihnachten, in den Geschäften, aber auch in den Familen und natürlich auch in unseren Gemeinden.
Blicken wir noch einmal auf die Pyramide.
Ist Ihnen das schon aufgefallen: die Figuren auf unserer Weihnachtspyramide drehen sich jetzt schon eine ganze Weile – aber sie sind dem Kind in der Mitte noch keinen cm näher gekommen.
Geht es uns vielleicht auch so: Alles dreht sich in diesen Tagen rund um Weihnachten – aber sind wir der Mitte dieses Festes, sind wir dem Kind in der Krippe, sind wir Jesus Christus wirklich näher gekommen? Oder drehen wir unsere weihnachtlichen Runden so wie jedes Jahr im immer gleichbleibenden Kreislauf der Gewohnheit und der Tradition?
An der Weihnachtspyramide erkennen wir, dass wir in der Versuchung stehen das Drumherum - den Rundlauf - zum Wichtigsten zu machen.
Aber das, was sich da dreht, ist gar nicht das Wesentliche. Das Wichtigste liegt doch dort, wo man es gar nicht nicht vermutet - ganz tief unten
Im Zentrum unserer Pyramide finden wir etwas feststehendes, das sich nicht mitdreht und unserem Weihnachtsfest erste seine Bedeutung gibt: das Kind in der Krippe.
Das Bedeutung von Weihnachten liegt nicht in den obersten Stockwerken der Pyramide, wie man vielleicht vermuten könnte, sondern ganz unten, da, wo die Welt am Boden liegt, da steht die Krippe.
So tief ist Gott herabgekommen. In der Tiefe finden wir ihn, da am Boden, dort im Leid in der Not in der Nacht der Welt.
Das ist die Tiefendimension des christlichen Glaubens, der sich mitten in das menschliche Elend, in die menschliche Armut hineinbegibt.
Die Krippe durchbricht unseren Kreislauf der immerwiederkehrenden Wiederholungen des Lebens. Die Krippe durchbricht die eingefahrenen Verhaltensmuster mit denen wir nur um uns selber kreisen.
Erst als die Hirten ihren Arbeitsalltag einmal durchbrachen um zur Krippe zu gelangen, konnten sie die alles entscheidende Frage ihres Leben klären. Wofür lebe ich? Wozu soll das alles gut sein?
Erst als die Hirten den Kreislauf ihres Alltags verließen fanden sie die Weihnachtsfreude.
"Siehe, ich verkündige euch große Freude sagte der Engel. Und damit meinte er eine Freude, die von innen kommt, eine Freude, die bleibt
auch wenn die Weihnachtstage vorbei sind. Diese Weihnachtsfreude bleibt nicht an der Oberfläche, sie reicht bis in die Tiefe unseres Herzens und trägt selbst in Zeiten der Not, des Leids und der Krankheit, sie ist alltagstauglich und bewährt sich nicht nur an den Festtagen, sondern auch an den Tagen danach.
Diese Freude entsteht wenn einem Menschen die eigentliche Bedeutung von Weihnachten aufgeht und er durch allen äußeren Rummel hindurch vor der Krippe steht - so wie die Hirten und die Weisen aus dem Morgenland.
Es bleibt die Frage:
Was fanden die Hirten? Was fanden die Sterndeuter? Was können wir finden, wenn wir zur Mitte von Weihnachten gelangen?:
Darüber gibt uns unser heutiger Predigttext Auskunft, der für den heutigen Tag vorgeschlagen ist: Hebr. 1,1-4 Nachdem Gott vorzeiten vielfach und auf vielerlei Weise geredet hat zu den Vätern durch die Propheten, 2 hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn, den er eingesetzt hat zum Erben über alles, durch den er auch die Welt gemacht hat. 3 Er ist der Abglanz seiner Herrlichkeit und das Ebenbild seines Wesens und trägt alle Dinge mit seinem kräftigen Wort und hat vollbracht die Reinigung von den Sünden und hat sich gesetzt zur Rechten der Majestät in der Höhe 4 und ist so viel höher geworden als die Engel, wie der Name, den er ererbt hat, höher ist als ihr Name.
In der Mitte der Weihnachtspyramide in der Mitte von Weihnachten finden wir mehr als das Kind in der Krippe. Wir finden auch den, der später am Kreuz hing - für uns! Wir finden den, den Gott auferweckt hat von den Toten. Wir finden den, der vom Tod auferweckt jetzt, in diesem Augenblick, für uns da ist und der versprochen hat, bei uns zu sein bis an das Ende der Welt. In der Mitte der Pyramide finden wir den, der zu seinen Vater in den Himmel zurückgekehrt ist, der jetzt zur Rechten Gottes sitzt, wie wir Christen bekennen, und dem alle Macht anvertraut ist im Himmel und auf Erden.
Neben der Tiefendimension des Glaubens gibt es also auch diese Höhen- oder Herrlichkeitsdimension. Neben der Niedrigkeit auch die Hoheit und Größe Jesu. Beides gehört zusammen. Die menschliche und die göttliche Seite Jesu.
Das Jesuskind ist erwachsen geworden, die Geschichte mit Jesus ging weiter, wie wir alle wissen. Die Weihnachtsgeschichte will auch mit uns weitergehen. Wenn wir entdecken, dass mit dem Kind in der Krippe zugleich der Retter der Welt gekommen ist. Der, der unseren Kreislauf von Sünde und Schuld durchbricht, der das sich immer schneller drehende Rad von Hass, Krieg und Terror ausgewechselt hat gegen das Rad der Liebe, des Friedens und der Versöhnung. Er hat uns den Weg zu Gott frei gemacht. Er hat uns die Tür zum Vater im Himmel geöffnet.
Wenn wir Jesus in der Mitte wiederentdecken dann finden wir nicht nur zur Mitte des Festes zurück, sondern auch unsere eigene Mitte wieder.
Dann kann sich unser Leben neu ordnen. Großes wird Groß und kleines wird klein, dann können wir die richtigen Prioritäten setzen.
Wer der wahren Bedeutung von Weihnachten auf der Spur bleiben will, der muß also auch nach den Weihnachtsfesttagen immer wieder bis ins Zentrum von Weihnachten vorstoßen. Dort, bei Jesus, finden wir das Leben, das uns aus der Oberflächlichkeit herausholt zu einem sinnvollen und erfülltem Leben, das sich wirklich lohnt. Nicht die Umstände und Verhältnisse werden sich dadurch von einem Tag auf den anderen ändern. Ich erinnere mich an den Ausspruch des Rabbi Wittebsk, der als er auf Jesus angesprochen wurde zum Fenster ging und sagte: „Es hat sich nichts geändert“. Äußerlich gesehen mag das so sein. Die Probleme sind auch nach Weihnachten nicht verschwunden. Aber vielleicht hat sich unser Blickwinkel verändert. Auch die Hirten sind ja wieder an ihre vertraute Arbeitsstelle gegangen, und die Weisen wieder zurückgekehrt an ihren Platz da wo sie gebraucht wurden.
Und auch das lerne ich von der Weihnachtspyramide:
Hauptsache, alles dreht sich um Jesus!
Die Personen auf der Weihnachtspyramide drehen sich ja nicht um sich selber. Sie drehen sich um diese Mitte. Menschen, die das Geheimnis von Weihnachten entdeckt haben, sind mittendrin in diesem Lauf rund um das Fest, sind mittendrin in den Sorgen und Nöten des Lebens. Aber: Sie sind Gott begegnet. Ihr Leben hat eine neue Ausrichtung, eine neue Mitte bekommen. Und diese Mitte dreht sich nicht mit! Sie steht fest, egal, wie schnell oder langsam wir rotieren. Wer diese Mitte in seinem Leben gefunden hat, mag ruhig seine Kreise ziehen, so, wie die Figuren auf unserer Pyramide.
Ich wünsche uns allen, dass wir Jesus als Mitte unseres Lebens nicht aus den Blick verlieren oder neu in den Blick bekommen. Ich wünsche uns, dass wir mit dieser Mitte Weihnachten feiern können und – wenn die Feiertage vorbei sind – auf diese Mitte ausgerichtet bleiben.
