Die Sintflut
Predigt von Pfarrer Stefan Vogt
Liebe Gemeinde,
"Nach uns die Sintflut
was hinterher kommt ist uns egal!
Wir leben heute und schliesslich leben wir nur einmal!
Ein bisschen Leichtsinn kann dir nicht schaden
und bist du glücklich dann denk' dabei:
Nach uns die Sintflut
was hinterher kommt ist einerlei!!
so lautet der Test in einem modernen Lied. (von Bibi Johns.)
Nach uns die Sintflut - mit dieser Einstellung leben viele in den Tag, denn man lebt ja schließlich nur einmal.
Nach mir die Sintlut - Hauptsache mir geht es gut, Hauptsache, ich komme weiter, hauptsache ich komme jetzt auf meine Kosten - selbst wenn es auf Kosten anderer geht....
Wohin solch eine Einstellung führt beschreibt unser heutiger Predigttext aus dem 1.Buch Mose im 6.Kapitel.
1.Mose 6,5 Der Herr sah, dass die Menschen voller Bosheit waren. Jede Stunde, jeden Tag ihres Lebens hatten sie nur eines im Sinn: Böses planen, Böses tun. 6 Der Herr war bekümmert und wünschte, er hätte die Menschen nie erschaffen. 7 "Ich werde die Menschen und mit ihnen die Tiere wieder vernichten!" sagte er. "Es wäre besser, ich hätte sie gar nicht erst erschaffen."
,08> Nur Noah fand Gnade beim Herrn. 09> Dies ist seine Geschichte: Noah lebte so, wie es Gott gefiel, und hörte auf ihn. Er tat nur, was in Gottes Augen gut war. Die Menschen, die ihn kannten, wußten, daß er ein vorbildliches Leben führte. 10 Er hatte drei Söhne: Sem, Ham und Jafet. 11-12 Die übrige Menschheit aber war vollkommen verdorben. Keiner wollte von Gott etwas wissen, niemand beachtete das Recht und die Gesetze. Es gab nur ein Gesetz: Grausamkeit. 13 Da sprach Gott zu Noah: «Ich habe beschlossen, die gesamte Menschheit zu vernichten, denn wo man auch hinsieht, herrscht Grausamkeit. Darum werde ich alles auslöschen!
14-16 Bau dir ein Schiff aus Holz,17 Mit einer großen Wasserflut werde ich die Erde überschwemmen. Kein Lebewesen soll verschont bleiben. 18 Nur dir gebe ich ein Versprechen: Du sollst überleben. Geh mit deiner Frau, deinen Söhnen und Schwiegertöchtern ins Schiff! 19 Nimm von allen Tieren ein Männchen und ein Weibchen mit, damit keine Tierart ausstirbt. 20 Jede Art der Vögel, des Viehs und aller anderen Landtiere soll mit ins Schiff kommen, damit sie alle erhalten bleiben. 21 Leg genug Vorräte an, daß es für euch und die Tiere ausreicht!» 22 Noah führte alles so aus, wie Gott es ihm aufgetragen hatte.
Liebe Gemeinde,
die Geschichte von der Arche Noah - sie kennt jedes KInd. Und diese Geschichte wird gerne Kindern erzählt, denn dort kommen ja auch viele Tiere vor, viel Wasser und am Ende der Regenbogen mit seinen leuchtend bunten Farben.
Aber die Kehrseite dieser Kinderfreundlichen bunten Geschichte bildet die Schattenseite der menschlichen Sünde.
Die Geschichte von der Arche Noah ist ja kein Märchen, das mit uns nichts tun hat, sondern sie beschreibt unsere menschliche Grundbefindlichkeit. "Der Herr sah, dass die Menschen voller Bosheit waren."
Wie schnell hatte sich das Blatt gewendet. Am Anfang, als Gott die Menschen geschaffen hatte, da lautete sein Urteil über die Schöpfung: "Siehe es war sehr gut".
Gott war sehr zufrieden, mit dem, was er geschaffen hatte. Gott war auch zufrieden mit den Menschen, Adam und Eva. Aber das war vor dem Sündenfall.Jetzt haben sich die Vorzeichen geändert. Die Sünde, das Misstrauen gegen Gottes Wort hat Besitz von den Menschen ergriffen. Gott schien in Vergessenheit geraten. Sollte alles umsonst gewesen sein? Gott hatte keine Freude mehr an den Menschen, weil das Unrecht und die Bosheit Überhand nahmen.
Die Bibel macht hier an dieser Stelle ganz deutlich: Gott ist kein gefühlloses Wesen, das meilenweit entfernt von den Menschen im Himmel thront. Gott zeigt Gefühle, er nimmt Anteil an unserem menschlichen Ergehen. Er leidet mit den Leidenden und die Gewalttaten zerreißen ihm das Herz.
Er will nicht länger dem gottlosemTreiben Tatenlos zusehen und will Schluss machen mit den Menschen.
Wie kann Gott das Leid zulassen, so frage ich mich auch manchmal. Kriege, Terroranschläge, Kriminalität, Gewalt, Ausbeutung und Unterdrückung von Menschen lassen Gott nicht kalt. So wie damals in den Tagen vor der Flut so leidet Gott auch heute am Leid in der Welt und es ist nur eine Frage der Zeit, wenn endlich die Gerechtigkeit für alle Menschen sich durchsetzen wird und Jesus Christus wiederkommen wird.
Die Geschichte von der Arche ist aber nicht zuerst eine Geschichte des Untergangs, sondern auch eine Geschichte der Rettung und des Neuanfangs.
Und darin liegt eine Paralelle zu unserer Taufe wie sie auch im NT
Im 1.Brief des Petrus 3,21 ausgesprochen wird: So wie diese acht Menschen damals (Noah, und seine Familie) , erfahrt ihr heute eure Rettung in der Taufe. Denn in der Taufe soll ja nicht der Schmutz von eurem Körper abgewaschenwerden. Vielmehr bitten wir Gott darum, uns ein reines, gutes Gewissen zu schenken. Und das ist möglich geworden, weil Jesus Christus auferstanden ist."
Wer getauft ist, der ist wie Noah aus dem Gericht errettet worden.
Es fragt sich allerdings: Wollen wir überhaupt gerettet werden.
Als Noah damals die Arche baute, da war keiner seiner Zeitgenossen, der die Zeichen der Zeit erkannt hatte.
Mit ihrer Einstellung: Nach uns die Sintflut lebten sie nur für den Augenblick und dachten nicht an die Zukunft.
Da war keiner der wirklich damit rechnete, dass die Flut tatsächlich kommt. Da war keiner der von seinen Wegen umkehren wollte.
Da war keiner, der in die rettende Arche einsteigen wollte. Erst als der Regen fiel, erst als sie merkten, dass ihnen die Felle wegschwammen, da wurde sie wach und klopften an die verschlossene Arche. Aber da war es zu spät.
Für mich ist die Geschichte der Arche Noah nicht nur eine Geschichte für Kinder, sondern auch und vor allem für Erwachsene. Denn jeder von uns ist eingeladen, in dieArche des Glaubens an Jesus Christus. Wer glaubt und getauft ist, der wird gerettet werden.
Noah wurde damals von vielen belächelt - Christsein wird heute auch von vielen belächelt und gilt als unmodern. Aber wenn die ersten Regentropfen fallen, dann wird sich zeigen was wirklich trägt und was sich auszahlt.
Gott bietet auch uns seine Hilfe und seine Erettung an. Es liegt allein an uns, ob wir sie annehmen oder nicht. So möchte ich zum Schluss noch eine Geschichte erzählen, die diesen Gedanken verdeutlicht.
Ein alter, frommer Mann wohnte in einem Haus nahe am Flußufer. Nach tagelangen Regenfällen trat der Fluß gefährlich über seine Ufer. Ein Rettungsfahrzeug des Technischen Hilfswerkes kam vorbei, um die Bewohner zu retten. „Kommen Sie", riefen die Helfer dem Mann zu.
„Ich brauche eure Hilfe nicht", antwortete der Mann, „Gott wird mich schon retten, ich vertraue auf ihn allein!" Das Fahrzeug fuhr weg, und die Wasser stiegen. Schließlich saß der Mann im ersten Stock seines Hauses, und das Erdgeschoß war schon voll Wasser gelaufen. Da kam ein Motorboot vorbei, um den Mann zu bergen. „Ich brauche eure neumodischen Boote nicht!" rief der Mann den Helfern zu, „ich verlasse mich ganz und gar auf Gott, der wird mir helfen!" Das Boot fuhr davon, und das Wasser stieg weiter. So kroch der Mann auf das Dach und saß auf dem First. Da kam ein Hubschrauber und ließ einen Helfer mit einem Rettungsgurt herab. ,,Schnell, hängen Sie sich ein, wir bringen Sie in Sicherheit!" Doch der Mann wollte von dem Teufelszeug von Hubschrauber nichts wissen. Der Hubschrauber flog davon, und das Haus stürzte ein. Der Mann ertrank in den reißenden Fluten.. Und als er vor Gottes Thron stand, sagte er zu Gott: „Du hast meinen Glauben schlecht belohnt. Ich habe mich ganz auf dich verlassen, aber ich habe vergeblich auf deine Rettung gewartet!"
Da antwortete ihm der Herr: „Du Narr, erst habe ich dir das Technische Hilfswerk geschickt, dann ein Motorboot und schließlich noch einen Hubschrauber, um dich aus deiner mißlichen Lage zu befreien. Aber du Ungehorsamer wolltest dich ja nicht retten lassen!"
