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Ökonomen der Geheimnisse Gottes

14.12.: Ökonomen der Geheimnisse Gottes

Liebe Gemeinde,
im Advent gibt es den schönen Brauch jeden Tag ein Türchen am Adventskalender zu öffnen hinter dem sich eine Überraschung verbirgt.
Die wohl früheste Form eines selbstgebastelten Adventskalenders stammt wohl aus dem Jahre 1851. Das erste gedruckte Exemplar verdankt seine Existenz den Kindheitserlebnissen eines schwäbischen Pfarrersohnes aus Maulbronn - Gerhard Lang (1881 - 1974). Seine Mutter zeichnete 24 Kästchen auf einen Karton - auf jedes war ein "Wibele" genäht. Als Teilhaber der lithographischen Anstalt Reichhold & Lang verzichtete Gerhard Lang auf die Gebäckstücke. Er verwendete stattdessen farbenprächtige Zeichnungen, die ausgeschnitten und auf einen Pappkarton geklebt werden konnten. 1908 verließ dieser erste, wenn auch noch fensterlose Adventskalender die Druckpresse. Damals sprach man noch von "Weihnachts-Kalender", oder "Münchener Weihnachts- Kalender".
Seit ca. 1920 erschienen die ersten Adventskalender mit Türchen zum Öffnen auf dem Markt, so wie wir sie heute kennen.
Ebenso fertigte die badische Sankt Johannis Druckerei Anfang der 20er Jahre religiöse Adventskalender, deren geöffnete Fenster Bibelverse anstatt Bilder zeigten.

Stellen wir uns vor wir öffnen jetzt eine Türe an inem Adventskalender und hinter dieser Türe finden wir den Predigttext für den heutigen Sonntag.

Wir hören aus 1.Kor 4,1-5
1 Dafür halte uns jedermann: für Diener Christi und Haushalter über Gottes Geheimnisse. 2 Nun fordert man nicht mehr von den Haushaltern, als dass sie für treu befunden werden. 3 Mir aber ist's ein Geringes, dass ich von euch gerichtet werde oder von einem menschlichen Gericht; auch richte ich mich selbst nicht. 4 Ich bin mir zwar nichts bewusst, aber darin bin ich nicht gerechtfertigt; der Herr ist's aber, der mich richtet. 5 Darum richtet nicht vor der Zeit, bis der Herr kommt, der auch ans Licht bringen wird, was im Finstern verborgen ist, und wird das Trachten der Herzen offenbar machen. Dann wird einem jeden von Gott sein Lob zuteil werden.

Liebe Gemeinde
Die Christen in der Hafenstadt Korinth waren um das Jahr 55 alles andere als ein Herz und eine Seele. Es gab verschiedene Parteien mit unterschiedlichen Interessen. Jede Gruppe wollte sich mit ihrer Meinung durchsetzen und stützte sich dabei auf bestimmte christliche Persönlichkeiten, die gegeneinander ausgespielt wurden.

Diesen Tanz um das goldene Kalb der menschlichen Eitelkeiten will Paulus nicht mitmachen. Es kann nicht angehen, dass sich eine Gemeinde in verschiedene Kreise aufteilt, die sich voneinander abgrenzen und nichts mehr miteinander zu tun haben wollen. Das - so Paulus - wäre gerade ein Zeichen des Unglaubens. Das wäre ein Beleg dafür dass keiner Recht hat.

Bemerkenswert finde ich den Perspektivwechsel der hier von Paulus vollzogen wird. Er fragt nicht, wie wir Christen uns selber einschätzen. Er fragt vielmehr, wie wir von anderen eingeschätzt werden. Dafür halte uns jedermann...
Paulus hat durchaus einen Blick für die Fremdwahrnehmung anderer. Er stellt die Frage: wofür halten uns Außenstehende?
Welches Bild vermitteln wir als Christen nach außen?
Kommt bei den Menschen wirklich dass an, was uns wichtig ist, was wir glauben und hoffen. Gelingt es uns Brücken zu Bilden zu den Herzen der Menschen? Ich glaube hier können wir als Christen dazulernen vor allem in Gesprächen mit solchen Außenstehenden.

Solche Stimmen möchte ich kurz in einigen Zitaten zu Worte kommen lassen:

Wo habt ihr Christen bloß die Gnade Gottes versteckt? fragt eine verzweifelte jungen Frau in dem Roman "Tagebuch eines jungen Landpfarrers" von George Bernandos)
Halten wir die Gnade Gottes unter Verschluss und hüten sie wie ein Geheimnis, dass niemand erfahren darf?

Die Christen haben wegen ihrer Sprachlosigkeit Angst vor den anderen, die sie belachen, meint die russische Dissidentin Tatjana Goritschewa)
Diese Sprachlosigkeit über unseren Glauben hat Klaus Jürgen Diehl einmal das Kartell des Schweigens genannt. Es gibt kaum noch Tabuthemen in unserer Gesellschaft über die man nicht sprechen dürfte. Und selbst die intimsten Dinge werden in unserer Medienwelt der Öffentlichkeit preisgegeben.
Demgegenüber fällt es doch den meisten von uns sehr schwer über unseren Glaubens zu sprechen. Da sind wir doch sehr zurückhaltend geworden.

Vielleicht liegt es daran, dass wir instinktiv sprüren, was ein junger Mann über uns Christen gesagt hat: Die Taten der Christen reden eine lautere Sprache als ihre Worte - und beides passt nicht zusammen.
So jedenfalls ist es bei ihm angekommen. Gott sei dank ist es nicht immer so und es gibt viele Beispiele dafür, dass Worte und taten zusammenwirken. Aber solche Äußerungen können uns als Kirche und als Gemeinde nicht gleichgültig lassen, wenn wir diese Menschen für den Glauben gewinnen wollen.

Diese Außenperspektive des Glaubens ist wichtig, denn sie ist wie ein Indikator, der uns anzeigt, ob die Botschaft des Evangelium noch bei den Menschen ankommt und verstanden wird.

Nicht dass wir uns abhängig machen von der Meinung anderer, oder anderen nur nach dem Mund reden. Darum geht es gerade nicht. Aber es kommt sehr wohl darauf an, dass nach aussen deutlich wird, wofür unser Herz schlägt, was wir glauben und wofür wir uns einsetzen und wie wir unseren Glauben leben.

Darüber gab es bei den Christen in Korinth keinen Konsens.
Es gab hierüber unterschiedliche - teils sich widersprechende Meinungen. Der Apostel Paulus und seine Botschaft des Evangelium geriet ins Abseits, und wurde zu einer Stimme unter vielen anderen. Einigen fehlte in den Predigten des Paulus der Kick, vielleicht waren sie zu wenig originell oder zu wenig Philosophisch, sehr wahrscheinlich war Paulus kein besonders guter Redner im Vergleich zu anderen.

Deshalb betont er, dass es ihm nicht darum geht seine Person in den Mittelpunkt zu rücken, sondern, dass er das weitergibt, was er von Gott empfangen hat.

Damit bin ich bei einem zweiten Punkt der auch für uns Relevant ist.
Wir sind Ökonomen über Gottes Geheimnisse.

Dafür halte uns jedermann: für Diener Christi und Haushalter, wörtlich: Ökonomen über Gottes Geheimnisse.
Wir kennen den Begriff des Ökonomen aus der Wirtschaft. Ein Ökonom ist verantwortlich für das Vermögen eines anderen mit dem es zu wirtschaften gilt

Die Kirche besitzt kein großes finanzielles Vermögen. das dürfte sich auch in Vluyn schon rumgesprochen haben. In den Bereichen der finanziellen Angelegenheiten unserer Gemeinde ist sicherlich auch eine gute Ökonomie von uns gefragt. Unser Presbyterium steht gerade vor wichtigen Entscheidungen bei denen wir viel Weisheit und Besonnenheit brauchen.

Paulus redet hier von einem anderen uns anvertrauen Schatz: nämlich den Geheimnissen Gottes.
Doch was ist damit gemeint?
Von welchem Geheimnis (griech. Mysterium) ist hier die Rede?

Das Geheimnis, von dem Paulus spricht liegt in Windeln gewickelt in einer Krippe. Gott wird Mensch und findet uns - damit wir Menschen zu Gott finden können. Das ist ein Geheimnis, dass es zu entdecken gibt. Vielleicht nicht mehr für uns- aber für viele andere. In einer Umfrage wurden Menschen in verschiedenen Städten nach der eigentlichen Bedeutung des Weihnachtsfestes gefragt. Die Antworten waren besorgniserregend. Zu Ostern sei Jesus gestorben und zu Weihnachten wieder auferstanden. Weihnachten, das hat doch etwas mit Adam und Eva zu tun meinte ein anderer. Weihnachten, das ist doch nur Tradition. Von zehn befragten Weihnachtsmännern in den Städten kannten nur zwei die Bedeutung des Weihnachtsfestes. Wir dürfen die Augen nicht davor verschliessen. Wir leben in einer nachchristlichen Gesellschaft. Und gerade unsere christliche Tradition ist vielen Menschen völlig verlorengegangen. Deshalb gilt es das Geheimnis der Menschwerdung Gottes neu zu entdecken.
Wir sind gefragt als gute Haushalter nicht im Kartell des Schweigens zu verharren und den Menschen die gute Nachricht des Weihnachtsevangeliums zu bringen.
Machen wir kein Geheimnis daraus. Sprechen wir davon, dass Gottes Liebe zu den Menschen ungebrochen gilt - trotz Schuld und Versagen. Wo Menschen anfangen, Jesus zu vertrauen, beginnt die zerbrochene Beziehung zu Gott zu heilen. Bei uns und bei allen die das Evangelium durch uns erreicht.




Advent
Komm in unsre stolze Welt,
Herr, mit deiner Liebe Werben.
Überwinde Macht und Geld,
laß die Völker nicht verderben.
Wende Haß und Feindessinn
auf den Weg zum Frieden hin.

Komm in unser reiches Land,
Herr, in deiner Armut Blöße,
daß von Geiz und Unverstand
willig unser Herz sich löse.
Schaff aus unserm Überfluß
Rettung dem, der hungern muß.

Komm in unsre laute Stadt,
Herr, mit deines Schweigens Mitte,
daß, wer keinen Mut mehr hat,
sich von dir die Kraft erbitte
für den Weg durch Lärm und Streit -
hin zu deiner Ewigkeit.

Komm in unser dunkles Herz,
Herr, mit deines Lichtes Fülle,
daß nicht Hochmut, Angst und Schmerz
deine Wahrheit uns verhülle,
die auch noch in tiefer Nacht
Menschenleben herrlich macht.
(Hans Graf von Lehndorff)