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Gott ist die Liebe

  • Stefan Vogt
  • 1.Joh 4,7-12
  • 5.9.2004
  • Dorfkirche Vluyn

1. Joh 4, 7-12
Ihr Lieben, lasst uns einander lieb haben; denn die Liebe ist von Gott, und wer liebt, der ist von Gott geboren und kennt Gott. Wer nicht liebt, der kennt Gott nicht; denn Gott ist die Liebe.
Darin ist erschienen die Liebe Gottes unter uns, dass Gott seinen eingebornen Sohn gesandt hat in die Welt, damit wir durch ihn leben sollen.
Darin besteht die Liebe: nicht, dass wir Gott geliebt haben,
sondern dass er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsre Sünden.
Ihr Lieben, hat uns Gott so geliebt, so sollen wir uns auch untereinander lieben.
Niemand hat Gott jemals gesehen.
Wenn wir uns untereinander lieben, so bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist in uns vollkommen.

Liebe Gemeinde,
in drei Gedankengängen möchte ich mich diesem Text heute nähern:Welt ohne Liebe
der Terror in dieser Welt nimmt seinen Lauf. Immer wieder reißt er Menschen in den Tod.
Vorgestern Nacht nahm das Geiseldrama von Beslan im Nordkaukasus einen blutiges Ende. Nachdem die Terroristen über 1000 Kinder, Eltern und Lehrer einer Schule als Geiseln gefangen hielten, kam es zu einem schrecklichen Ende. Die Schule wurde von russischen Spezialeinheiten gestürmt nachdem sich eine Geiselnehmerin in die Luft gesprengt hatte. Hunderte von Menschen darunter auch viele Kinder kamen grausam ums Leben oder mussten in Krankenhäusern gebracht werden.
Diese erneute Eskalation der Gewalt hat die Menschen weltweit erschüttert und bestürzt. Auch wir trauern um die Opfer.

Seit dem 11. September 2001 reißt die weltweite Welle der Gewalt nicht ab. Selbstmordanschläge können nahezu überall auf der Welt stattfinden. Erst Gestern hat im Irak ein Selbstmordattentäter 20 Menschen mit in den Tod gerissen.
Die Brutalität der Attentäter kennt keine Grenzen.
Der Aufruf zum Jihad, zum heiligen Krieg gegen den westen, gegen die USA, Israel und das Christentum findet unzählige Anhänger darunter auch immer mehr Frauen, die bereit sind ihr Leben aufs Spiel zu setzen.
Der verstorbene Sir Peter Ustinov sagte einmal:Terror ist der Krieg der Armen, Krieg ist der Terror der Reichen. Beide sind gleichermaßen unmoralisch. (In Memoriam Sir Peter Ustinov 1921-2004). Dem kann man sich mich nur anschließen.
Weder der religiös begründete Terrorismus, der el-Kaida oder Hamas Anhänger, noch der religiös motivierte militärische Versuch der USA ihn zu bekämpfen führen zum Frieden. Kein Mensch der einen anderen tötet kann sich dabei zu Recht auf Gott berufen. Wer nicht liebt, der kennt Gott nicht.
Auf die bisher genannten Beispiele bezogen wird das wohl jeder nachvollziehen können.
Aber gilt diese Feststellung nicht für alle Menschen? Der 1.Johannesbrief ist ja nicht an die Insassen einer Justizvollzugsanstalt gerichtet, sondern an eine ganz normale christliche Gemeinde. Wer von uns könnte denn sagen, dass er bei jeder Gelegenheit den anderen Menschen immer mit Liebe begegnet? Wer könnte von sich selber sagen, dass er niemals im Leben lieblos gewesen ist.
Wer nicht liebt, der kennt Gott nicht, das müssen wir, wenn wir ehrlich sind doch auch von uns selber sagen. Es gelingt uns nicht zu lieben, denn „Von Natur aus wissen wir nicht was Liebe ist.“ (Bonhoeffer) Deshalb komme ich jetzt zu meinem zweiten Punkt:

2. Gott ist Liebe
Darin ist erschienen die Liebe Gottes unter uns, dass Gott seinen eingebornen Sohn gesandt hat in die Welt, damit wir durch ihn leben sollen. Darin besteht die Liebe: nicht, dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsre Sünden.“
Wir sind geliebt. In einer Welt ohne Liebe ist es Gottes Liebe die trägt und verändert. Gott hat seine Welt nicht aufgegeben, Gott hat sich uns Menschen in Liebe zugewandt. Durch das Kommen Jesu macht er uns deutlich: Ich lass euch nicht allein in eurer Welt ohne Liebe, in eurer Welt von Gewalt, Krieg und Terror in einer Welt der Lieblosigkeit und Unversöhnlichkeit. Ich reiche euch die Hand zum Zeichen der Versöhnung, zum Zeichen des Friedens.
Gott ist die Liebe und seine Liebe ist nicht abstrakt, sie ist anschaulich geworden im Leben Jesu, in seinem Verhalten zu den Menschen, in seinen Worten, in seinem Leiden, Sterben und in seiner Auferstehung.
Gottes Liebe ist erfahrbar. Du kannst glauben, dass du mir dem Vater im Himmel versöhnt bist. Du kannst glauben, dass Jesus für dich gekommen ist um deine Lieblosigkeit, dein Unvermögen, deine Schuld auf sich zu nehmen.
Du kannst glauben, dass Gott dich liebt, so wie du bist, trotz deiner Fehler trotz deines Versagens.

Bonhoeffer schriebt dazu: „Auf die Frage worin die Liebe besteht, antworten wir also weiter mit der Schrift: in der Versöhnung des Menschen mit Gott in Jesus Christus. Die Entzweiung des Menschen mit Gott, mit den anderen Menschen, mit der Welt und mit sich selbst ist zu Ende. Der Ursprung ist ihm wiedergeschenkt.“ (Ethik, 57)

3. In Gottes Liebe bleiben
Gott ist die Liebe. Das ist die Botschaft der Bibel für unsere von Krieg und Terror, von Gewalt, Hass und Lieblosigkeit gezeichneten Welt. Das ist die Botschaft für unser Leben.
Gott ist die Liebe und diese Liebe will unser Leben gestalten und verändern. Jesus ist der Garant für diese Liebe.

„Hat uns Gott so geliebt, so sollen wir uns auch untereinander lieben.“
Niemand kann sich zurecht auf Gott berufen und gleichzeitig das Gebot der Liebe verletzen. Wo Hass gesät wird entfernt sich Gott. Wo Gewalt und Ungerechtigkeit im Spiel ist, leidet Gott.
Anders herum gilt aber auch, wo Liebe aus dem Glauben heraus geübt wird, ist Gott nicht weit, denn Gott ist Liebe und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.

In der Liebe bleiben kann bedeuten an der Seite derjenigen zu stehen die unsere Hilfe brauchen. „Den Nächsten lieben heißt im Gedränge einer eng gewordenen Gesellschaft nicht zuletzt:Sein Glück schützen.” Jörg Zink
In der Liebe bleiben wir, wenn wir Unrecht beim Namen nennen und für die Rechte der Schwachen eintreten, wenn wir unsere Stimme erheben gegen diejenigen die ihre Macht und Verantwortung missbrauchen. Wenn wir uns berühren lassen von der Not der Menschen.

In der Liebe bleiben wir, wenn wir Gottes Liebe in uns hineinlassen, wenn wir unsere ganzes Leben von seiner Liebe bestimmt sein lassen. Wie das gelingt habe ich in einem schönen Vergleich gefunden:
Wenn ein gutes Orchester einen großen Konzertsaal mit wunderbarer Musik erfüllt, müssen nicht alle den Saal verlassen, um dem Klang Raum zu geben, sondern möglichst viele hineingehen, damit sie an der herrlichen Musik teilhaben.
Wenn Gottes Liebe unser Leben erfüllt, müssen nicht alle anderen Gaben seiner Schöpfung unser Leben verlassen, um der Liebe Raum zu geben, sondern möglichst hineingehen, um von der göttlichen Liebe durchdrungen zu werden. Verstand, Leiblichkeit, Sinnlichkeit, Geschlechtlichkeit, Arbeit und Beziehungen müssen nicht Platz machen, sondern von Gottes Liebe angerührt und gestärkt werden.
Die Liebe Gottes will sich auswirken in unserem Leben. Indem wir uns von Gottes Liebe durchdringen lassen, kann die Welt ein Stück liebevoller und friedlicher werden.



Lass uns deiner Liebe trauen,
Gott, guter Freund,
wenn wir enttäuscht sind,
wenn wir verloren haben oder traurig sind.
Dann rühre uns an und wecke deine Liebe in uns auf,
dass wir uns nicht verschließen,
sondern offen bleiben für das ganze Leben.
Gib uns die Liebe als starke Kraft
und Schutz in bösen Zeiten,
lass sie nicht nur ein Wort für gute Tage sein.
Mach du uns fähig,
Schmerz anzunehmen, wenn es sein muss,
und ihm zu widerstehen, wo wir können.
Und wenn wir um der Liebe willen leiden müssen,
dann lass uns wachsen, stärker werden.
Lass Jesu Liebe, die ans Kreuz ging,
auferstehen in uns.