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Tauft und lehrt

  • Stefan Vogt / Martin Simon
  • Mt 28,18-20
  • Dialogpredigt

Stefan: Du Martin, sag mal, hast du auch so viele Taufen in letzter Zeit? Ich glaube das ist ein richtiger Modetrend geworden. Das gehört einfach dazu. So wie du deine U – Untersuchungen beim Kindarzt macht, so machst du halt auch deine Taufe.

Martin: Ja, das stimmt, der Tauftrend ist voll im Gange. Manchmal müssen wir sogar Extragottesdienste anbieten am Samstag, weil sonst die Gemeinde nicht mitspielt.

Stefan: Das ist ja verrückt, da sollen Kinder getauft werden, das meint doch, sie sollen in die christliche Gemeinschaft aufgenommen werden, und die Gemeinde spielt da nicht mit?

Martin: Ja, stell dir vor du hast in jedem Gottesdienst zwei oder drei Taufen. Das wird auch dem geduldigsten Gottesdienstbesucher auf die Dauer zuviel. Und außerdem bringen Taufen auch immer eine gewisse Unruhe mit. Das liegt schon in der Natur der Sache.

Stefan: Ja das kann ich schon verstehen. Aber müssten wir nicht zuerst danach fragen, was Jesus mit der Taufe eigentlich beabsichtigt hat. Schließlich ist die Taufe ja keine Erfindung irgendeines Pfarrers oder eines besonders einfallsreichen Christen. Wir taufen doch, weil Jesus es seinen Leuten aufgetragen hat. Die Taufen stehen sozusagen auf der ToDo-Liste einer christlichen Gemeinde.

Martin: Ja, du hast Recht. Ich muss dabei an das denken, was Jesus zur Taufe gesagt hat: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. (Matthäus 28, 18-20) Taufet sie und lehret sie. Das sind sozusagen zwei Seiten derselben Medaille.

Stefan: Genau, taufen und lehren, das gehört für Jesus auf alle Fälle zusammen. Jesus selber hat ja soviel wir wissen überhaupt nicht getauft. Seine Hauptaufgabe bestand vielmehr darin seine Lehre weiterzugeben. Die Menschen in die Gemeinschaft mit Gott zu rufen. Die Taufe war ja ursprünglich das sichtbare Zeichen dafür, dass einer sagte: ich gehöre zu Gott und zu Jesus.

Martin: Die Taufe allein ohne Glauben ist zu nichts nütze, das hat sogar schon Martin Luther gesagt. Und damit wollte er sagen. Es nützt dir überhaupt nichts, wenn du getauft bist, aber gar nicht glaubst.

Stefan: Aus diesem Grunde wurde ja auch der Konfirmandenunterricht eingeführt. Damit sich jeder ein eigenes Bild vom christlichen Glauben machen kann. Am Ende der Unterrichtszeit steht dann die Konfirmation, sozusagen als feierliche Bekräftigung der eigenen Taufe.

Martin: Theoretisch ist das so, aber in Praxis sieht es doch oft anders aus. Viele besuchen den Unterricht über 1,5 Jahren und nach der Konfirmation siehst du sie nie wieder. Vielleicht noch einmal zur Hochzeit, wenn du Glück hast. Ich frage mich ob die Konfirmanden wirklich alle so ganz mit dem Herzen dabei sind.

Stefan: Das müssen wir Gott sei Dank nicht überprüfen. Das könnten wir auch gar nicht, Ich glaube aber schon, dass bei einigen der Groschengefallen ist, dass sie im Laufe der Unterrichtszeit festgestellt haben: ja Gott liebt mich und auf ihn kann ich mich immer verlassen. Ich will mit Jesus leben.

Martin: Du Stefan, das glaube ich auch. Gott kann ganz bestimmt auch Konfirmanden erreichen. Aber wenn sie so richtig mit ganzem Herzen glauben würden, dann wäre doch die logische Konsequenz, dass sie sich in der Gemeinde auch nach der Konfirmation sehen lassen.

Stefan: Ja natürlich, wenn einer an Jesus glaubt, dann kann er das gar nicht ohne Gemeinde. Auch wenn das immer wieder behauptet wird:

Martin: Ja, den Satz hast du bestimmt auch schon öfters gehört, wissen Sie Herr Pastor, ich renne zwar nicht jede Woche in die Kirche, aber glauben tue ich schon. Und sie erwarten dann selbstverständlich, dass ich ihnen Recht gebe.

Stefan: Tja, so ist das, diese Meinung haben wohl viele. Mich wundert es auch gar nicht, dass wir Sonntags manche Gemeindeglieder, die getauft sind, die konfirmiert sind, deshalb so gut wie nie im Gottesdienst sehen. Es sind ja doch meistens immer dieselben, die kommen. Die anderen schein was anderes sonntags morgens zutun.

Martin: Tja, das ist leider die traurige Wahrheit, es gibt in der Tat sehr viele Christen, die ohne Gottesdienst auskommen. Also ich könnte mir das gar nicht vorstellen. Ich brauche doch Anregungen für meinen Glauben, ich brauche doch regelmäßig die Gemeinschaft mit anderen Christen und ohne Predigten würde mir was fehlen.

Stefan: Ich frage mich, wie wir das ändern könnten, dass der Gottesdienst keine Pflichtveranstaltung ist , sondern, das die Leute gerne von selber kommen und der Gottesdienst ihnen etwas für ihren Alltag gibt.

Martin: Weißt du, ich glaube, dass können wir letztlich gar nicht machen. Wir feiern Gottesdienst ja im Namen des Vaters usw. Ich glaube wenn die Menschen Gott im Gottesdienst erleben, wenn sie von ihm angesprochen werden, dann springt der Funke über. Natürlich müssen wir uns auch Gedanken über die Gestaltung von Gottesdiensten machen, das Wichtigste muss aber wohl Gott selber tun indem er die Menschen erreicht. Das hat er uns auch versprochen als er sagte: Ich bin bei euch alle tage, bis an das Ende der Welt..

Stefan: Genau, um diese Zusage geht es ja auch in der Taufe. Im Taufgespräch sage ich den Eltern, dass die Taufe sozusagen die Liebeserklärung Gottes ist, die er dem Täufling macht . Wie jede Liebesbeziehung sich erst dann richtig entfalten kann, wenn sie wechselseitig besteht, so wartet Gott auch auf die Antwort des Täuflings. Als kleines Baby können wir das noch nicht, sondern erst wenn wir uns eine eigene Meinung gebildet haben und auf unsere taufe antworten können. Die Konfirmation ist also die Antwort auf die Liebe Gottes, die in der Taufe zugesagt worden ist.

Martin: Du, Stefan wir sollten den Tauftrend als Chance begreifen.

Stefan: Ja, das denke ich auch. Genauso wir auch der Konfirmandenunterricht eine gute Möglichkeit ist etwas von Gottes Liebe weiterzusagen. Es ist bestimmt kein Zufall, dass uns Jesus den Auftrag gegeben hat zu taufen und zu lehren.