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Der Weg in die Wüste

Liebe Gemeinde,
das Jahr 2005 neigt sich dem Ende. Es sind nur noch wenige Stunden bis das neue Jahr beginnt. In diesem Gottesdiens heute am letzten Tag des Jahres bringt jeder von uns seine Jahresbilanz mit. Was bleibt unterm Strich? Wie ist dieses Jahr für mich gewesen? Was will ich zurücklassen? Was nehme ich mit ins neues Jahr? Welche Sorgen und Nöte, welche Erwartungen und Hoffnungen haben wir in unserem Reisegepäck ins neue Jahr dabei?

Der letzte Tag des Jahres macht deutlich: Leben heißt unterwegs sein. Manches hinter sich zurücklassen und auf neues zugehen. Auf diesen Weg ins neue Jahr will Gott uns begleiten. Hören wir auf den Predigttext in 2.Mose 13,20-23

Predigttext
2. Mose 13, 20-22
So zogen sie aus von Sukkot und lagerten sich in Etam am Rande der Wüste. Und der HERR zog vor ihnen her, am Tage in einer Wolkensäule, um sie den rechten Weg zu führen, und bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten, damit sie Tag und Nacht wandern konnten. Niemals wich die Wolkensäule von dem Volk bei Tage noch die Feuersäule bei Nacht.

Das Volk Israel ist aufgebrochen in die Wüste. Die wenigen Habseligkeiten sind gepackt und gut verstaut. Ihr Ziel ist das gelobte Land in dem Milch und Honig fließen.

Was sie hinter sich zurücklassen ist Ägypten.
Ägypten - das war Knochenarbeit, Sklavenarbeit, Ägypten, das war Fremdbestimmung und Unfreiheit. Ägypten war das Land der Einschränkung und Entbehrung für die Israeliten. Es gab zwar genug zu essen, aber der Mensch lebt - wie wir wissen - nicht vom Brot allein. Was fehlte, das war die Möglichkeit sich frei zu entfalten und ein eigenes Leben zu gestalten.
Vor Jahrhunderten als willkommene Gäste ins Land gekommen waren die Israeliten nun zu Sklaven geworden. Jetzt waren sie auf dem Weg in die Freiheit. Jetzt kehrten sie Ägypten den Rücken und ließen das alles hinter sich.

Auch wir lassen heute etwas zurück. Nicht Ägypten und die Sklaverei, aber doch manches, was wir mit uns herumschleppen. Manches was uns beschwert und vielleicht Kummer macht. Sorgen und Nöte die uns nicht zur Ruhe kommen lassen,, Ängste die uns bis in die Nacht hinein verfolgen.
Oder wir tragen mit uns unvergebende Schuld, ungeklärte Beziehungen, offen gebliebene Rechnungen, oder was auch immer. Jeder von uns trägt seinen Koffer mit sich herum, den er im Laufe dieses Jahres gepackt hat. Vielleicht ist er schwer, vielleicht auch leicht. Wir dürfen das alles, was uns belastet heut vor Gott bringen. Wir können all das bei ihm lassen.

Wir dürfen heute diesen Koffer, den wir im Laufe dieses Jahres gepackt haben und mit uns herum tragen zu Gott bringen. Wir dürfen ihn darum bitten, dass er uns diese Last tragen hilft oder dass er sie uns sogar ganz abnimmt. Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken. sagt Jesus. Oder All eure Sorgen werft auf ihn, denn er sorgt für euch.
Heute am letzten Tag des Jahres haben wir noch einmal die Möglichkeit alles an Gott abzugeben, was uns das Leben schwer macht. So können wir mit leichten Gepäck vorangehen in das neue Jahr.

Für das Volk Israel stand fest: Es gibt nur einen Weg nach vorne und keinen Weg zurück.
Dieses neue Ziel gab neuen Auftrieb. Neue Begeisterung machte sich breit: Es wird besser. Wir können es schaffen. Ja, mit Gottes Hilfe werden wir das Ziel erreichen. Gott wird uns in das verheißene Land führen.

Mit Mose ist jetzt wieder neue Hoffnung lebendig geworden. Die Hoffnung auf ein besseres und selbstbestimmtes Leben - die Hoffnung auf ein Leben ohne ägyptische Vorherrschaft.
Die Hoffnung, dass jeder mit seiner Familie in Frieden und Freiheit leben und sich eine neue Existenz aufbauen kann.
Diese Hoffnung blühte jetzt wieder auf. Bei den Kindern, die hofften, dass ihre Väter mehr Zeit für sie finden um mit ihnen zu spielen, bei den Frauen, die schon neueste Dekorationsideen für das neue Zuhause entwarfen, und bei den Männern, die davon träumten als freie Menschen für ihre eigene Zukunft und die ihrer Familie zu arbeiten.
Nach Jahren der Entmutigung und Resignation konnte man in ihren glitzernden Augen wieder eins ablesen: Ein Ziel. Ein Ziel für das es sich lohnt aufzubrechen und sich auf den Weg zu machen. Ein Ziel dass alle verbindet. Das verheißene Land.

Was für ein Glauben, der hier am Anfang dieses schweren Weges durch die Wüste sichtbar wird. Dieser Weg, dass wussten sie alle, wird kein leichter sein, dieser Weg wird steinig und schwer. Dieser Weg wird beschwerlich werden für alle, die ihn gehen. Und trotzdem, sie waren alle bereit ihn zu gehen.

Auch wir stehen heute abend vor einem Aufbruch in neues Land, das wir noch nicht kennen. Wir stehen vor dem Beginn des neuen Jahres, von dem noch keiner weiß, wie es werden wird.
Auch wir brauchen Glauben und Hoffnung für den Weg der vor uns liegt.

Wie wird das Jahr 2006 werden? Wird es besser oder schlechter werden? Gehen wir mit Optimismus oder mit Pessimismus in das neue Jahr? Wird der Frieden in der Welt eher sicherer oder nicht? Wird die große Koalition sichtbare Fortschritte machen? Wird die Wirtschaft bei uns endlich in Gang kommen? Werden mehr Menschen wieder in Arbeit sein? Wird sich unsere Gemeinde gut weiterentwickeln? Werden wir die Ziele die wir uns gesteckt haben erreichen? Wie wird es werden das neue Jahr, auf welchen Wegen werden wir geführt? Mit welchen Schwierigkeiten aber auch mit welchen guten Entwicklungen können wir rechnen?

Ungewiss war die Zukunft, damals für das Volk Israel wie für uns heute.
In aller Ungewissheit die uns mit dem Volk Israel in der Wüste verbindet macht Gott seine Zusage.
Ich will euch leiten. Ich zeige euch den Weg, den ihr gehen sollt. Ich bin es, der bei euch bleibt und euch nicht alleine lässt in der Wüste des Lebens. Weder in der Nacht noch am Tage. Immer werde ich für euch erkennbar gegenwärtig sein.

Das Volk Israel bekam ein sichtbares Zeichen von Gott. Die Wolkensäule, die am Tag zu sehen war und die Feuersäule in der Nacht leuchtete. So wussten sie immer, welchen Weg sie gehen mussten.

Uns hat Gott Brot und Wein gegeben als Zeichen seiner Gegenwart, mit denen er uns deutlich macht: Ich bin bei euch, auf euren Weg in das neue Jahr. Ihr dürft euch auf mich verlassen, denn ich verlasse euch nicht.
Sozusagen als Wegzehrung will Gott uns nachher auf unseren Weg stärken. Egal wie dieser Weg auch aussehen mag und wohin er uns führen wird. Gott geht ihn mit. Ja er geht voraus und will uns leiten durch die Wüste der Zeit.

Das verheißene Land liegt nicht vor der Haustüre. Bis dahin ist es ein langer und schwerer Weg. Ein Weg der Entbehrung, der das Volk auf eine harte Probe stellte. Ein Weg, der länger dauert, als erwartet. Ein Weg, den man sich nicht selber aussuchen kann, der einem gezeigt werden muss.

Der Weg ins verheißene Land erfordert Geduld und Ausdauer. Denn der Weg führt durch die Wüste. Auch im Glaubensleben haben wir manchmal solche Zeiten durchzustehen. Zeiten in denen wir mit Gott hadern und das Ziel aus dem Blick verlieren, Zeiten in denen wir anfangen an Gottes Güte zu zweifeln.
Vielleicht steht jemand unter uns gerade in so einer Phase. Dir möchte ich sahen. Geh deinen Weg getrost weiter. Bitte Gott darum, dass er dir eine Feuersäule in der Nacht und eine Wolkensäule am Tag zeigt. Ich bin gewiss: Gott wird dich hindurchtragen bis ans Ziel.

Gott führt uns manchmal einen langen Weg. Die Wanderung durch die Wüste dauerte 40 Jahre. Gott führt uns nicht den kürzesten Weg, sondern den der am besten für uns ist.

Der kürzeste Weg, das wäre die Küstenstraße gewesen. Dieser Weg hätte den sicheren Tod gebracht, denn dort hätten die Ägypter sie mit Sicherheit wieder eingeholt.
Gott führt auch nicht den zweitkürzesten Weg. Das wäre der Weg unterhalb der Küstenstraße.
Dann wären sie zu den Philistern - ein kriegerisches Seefahrervolk gekommen. Gegen die hätten sie mit Sicherheit auch keine Überlebenschance gehabt.
Gott führt sein Volk in die Wüste und dieser weg dauert länger als sie erwartet hatten.

Wir wissen aus der Bibel, dass viele die am Anfang mit Begeisterung dabei waren, später anfingen das Projekt Exodus in Frage zu stellen. Im Vergleich zur Wüste hatte Ägypten durchaus einiges mehr zu bieten. Und so musste Mose immer wieder daran arbeiten, dass der Weg nicht zurück nach Ägypten, sondern nach vorne voraus ins gelobte Land ging. Man konnte diesen Weg nur gemeinsam gehen oder gar nicht. Hinter ihnen lag die Unfreiheit, in der Gegenwart die Wüste und vor ihnen das neue Land.

Mit dem Neuen Jahr 2006 brechen wir in eine ungewisse Zukunft auf. Dabei können wir viel vom Glauben Israels lernen.

Es war nicht Mose, der den Weg kannte, nicht Aaron, oder Miriam. Gott selbst war es, der ihnen den Weg zeigte. Auch wir brauchen dieses Vertrauen zu Gott, dass er auch uns durch das Jahr 2006 führen wird. Ich bin bei euch alle tage bis an das Ende der Welt, sagt Jesus. Wir dürfen darauf vertrauen, dass er mit uns geht, heute und morgen. Von guten Mächten wunderbar geborgen erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend wie am Morgen und ganzgewiss an jedem neuen Tag.
Damit können wir getrost in das neue Jahr gehen. Auch wenn wir den ganzen Weg noch nicht erkennen, es reicht, wenn wir den nächsten Schritt gehen.

So wie es in diesem Gleichnis eines chinesischen Christen gesagt ist:
Ich sagte zu dem Engel, der an der Pforte des neuen Jahres stand: Gib mir ein Licht, damit ich sicheren Fußes der Ungewissheit entgehen kann! Aber er antwortete: Geh nur hinein in die Dunkelheit und lege deine Hände in die Hand Gottes! Das ist besser als ein Licht und sicherer als ein bekannter Weg!

Gebet
Guter Gott,
unser Leben vollendet sich erst auf einem langen Weg durch die Jahre hindurch, auf einem Weg durch Höhen und Tiefen, durch Helles und Dunkles hindurch. Du hast uns ein Ziel gegeben, auf das wir mit deiner Hilfe zugehen können. So verlass uns nicht,
sondern begleite uns durch die Jahre hindurch und führe uns einen guten Weg hin zu dir.
Gott, du allein bist ohne Anfang und Ende, alles, was in der Zeit geschieht, kommt von dir. Dankbar blicken wir auf das vergangene Jahr zurück, voll Vertrauen beginnen wir mit dem neuen Jahr. Schenke uns jeden Tag, was wir zum Leben brauchen, segne unsere Tage und lass unsere Vorhaben gelingen, mach uns reich an guten Werken, und erfülle uns mit deiner Liebe.