Verantwortliches Leben zahlt sich aus
Verantwortliches Leben zahlt sich aus (Lk 12, 42-48 )
(Predigt am Ewigkeitssonntag 2005, Stefan Vogt)
Liebe Gemeinde,
heute sind wir als Brüder und Schwestern noch einmal versammelt um an unsere liebe Mitgeschwister zu denken, von denen wir im zuende gehendem Kirchenjahr Abschied nehmen mussten.
Jeder von ihnen trägt einen Namen, den wir in ehrenvollen Andenken bewahren wollen und die wir deshalb heute noch einmal verlesen.
Da sind viel Tränen geweint worden und da ist viel Kummer und Schmerz, weil ein Mensch plötzlich nicht mehr da ist. Da ist auch Erleichterung dass unerträgliches Leiden zu ende ist, oder weiteres Leiden erspart geblieben ist. Da sind der leere Stuhl und das leere Bett, und der veränderte Alltag in dem ein Mensch nun fehlt.
Viele von uns haben ihre Trauer in diesen Gottesdienst mitgebracht.
Auch mein eigener Vater ist im Februar nach schwerer Krankheit verstorben. Als ich vor zwei Wochen an seinem Grab stand, da dachte ich an vieles, was ich ihm zu verdanken habe und an das, was ihn als Mensch ausgemacht und unverwechselbar gemacht hat. Der Alltag wurde für mich an diesem Grab für einen Moment unterbrochen. Die Uhr wurde sozusagen unwillkürlich angehalten, und Vergangenes zog in Gedanken vorbei.
Dieses Anhalten der Zeit am Grab meines Vaters, - wie übrigens auch an jedem Grab an dem ich stehe - verändert den Blick auf das Leben. Und mir kommt der bekannte Spruch in den Sinn: Dies ist der erste Tag vom Rest meines Lebens. Das Voranschreiten des Sekundenszeigers auf meiner Uhr ist immer auch ein Hinweis auf die Begrenztheit unserer Lebenszeit.
"Herr lehre uns bedenken dass wir sterben müssen, auf das wir klug werden" heißt es in der Bibel.
Worin diese Klugheit des Lebens besteht macht Jesus in einer Gleichnisgeschichte deutlich. Damit wird unsere Aufmerksamkeit heute vom Tod auf das Leben gelenkt und auf die uns verbleibende Lebenszeit. Der folgende Abschnitt ist die Fortsetzung dessen, was wir vorhin in der Lesung hörten:
Lk 12,42 Der Herr aber sprach: Wer ist denn der treue und kluge Verwalter, den der Herr über seine Leute setzt, damit er ihnen zur rechten Zeit gibt, was ihnen zusteht? Selig ist der Knecht, den sein Herr, wenn er kommt, das tun sieht. Wahrlich, ich sage euch: Er wird ihn über alle seine Güter setzen.
Wenn aber jener Knecht in seinem Herzen sagt: Mein Herr kommt noch lange nicht, und fängt an, die Knechte und Mägde zu schlagen, auch zu essen und zu trinken und sich vollzusaufen, dann wird der Herr dieses Knechtes kommen an einem Tage, an dem er's nicht erwartet, und zu einer Stunde, die er nicht kennt, und wird ihn in Stücke hauen lassen und wird ihm sein Teil geben bei den Ungläubigen. Der Knecht aber, der den Willen seines Herrn kennt, hat aber nichts vorbereitet noch nach seinem Willen getan, der wird viel Schläge erleiden müssen.
Wer ihn aber nicht kennt und getan hat, was Schläge verdient, wird wenig Schläge erleiden. Denn wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man um so mehr fordern.
In drei Abschnitten möchte ich diesen Text für uns heute auslegen
1. Er kommt gewiss
2. Treue wird belohnt.
3. Niemand wird vergessen
1. Er kommt gewiss.
So sicher wie das Amen in der Kirche kommt der Tod zu jeden Menschen. Er kommt gewiss, der Tod. Das ist die Erfahrung die wir immer wieder im Leben machen.
Jesus spricht in seinem Gleichnis aber nicht vom Tod der kommt. Er spricht von einem Hausherrn. Und damit meint er sich selber als den Herrn, der den Tod besiegt hat, der Herr ist über seine Gemeinde. Jesus kommt wieder - das ist so gewiss wie das Amen in der Kirche.
Der untreue Knecht in dem Gleichnis verdrängt diese Wahrheit, wenn er sagt: Mein Herr kommt noch lange nicht.
Er rechnet nicht damit, dass er für sein Tun und für sein Verhalten Rechenschaft ablegen muss. Er lehnt die Verantwortung ab, die ihm aufgetragen wurde. Er bestimmt dagegen sein Leben selber, er genießt es mit gutem Essen und Trinken und nicht selten trinkt er einen zuviel über den Durst. Er kümmert sich nicht um morgen. Er lebt nach dem Motto: Ich will alles und zwar sofort. Oder wie es in der Bibel einmal gesagt wird: Lasst uns essen und trinken und das Leben genießen, denn morgen sind wir tot.
Am Ende der Geschichte als der Herr zurückkommt ist es zu spät und alles wofür er gelebt hat vergeht wie Rauch im Wind und löst sich in Luft auf. Am Ende wird sich herausstellen, ob ich nur für den Augenblick gelebt habe oder mir auch Gedanken um die Zukunft gemacht habe.
Am Ende wird es darauf ankommen, ob ich Jesus treu gewesen bin und das getan habe, was er von mir erwartet hat. Und damit komme ich zu meinem 2. Punkt
2. Treue wird belohnt.
Das wissen die unter uns am besten, die ihr ganzes Leben treu zu einem Menschen gestanden haben. Aber Treue begegnet uns nicht nur in der Beziehung der Geschlechter, treue gibt es auch in anderen Dingen.
Neulich sprach ich mit einem Lehrer über eine Schulklasse. Er sagte mir. Ein Ziel meines Unterrichtes ist dies: wenn ich den Klassenraum verlasse, dann erwarte ich, dass die Schüler weiter ihre Aufgaben lösen, auch wenn ich nicht im Raum bin.
Die Schüler sind hier treu gegenüber ihrem Lehrer, der ihnen eine Aufgabe gestellt hat.
Ganz ähnlich ist es in der Geschichte die Jesus erzählt.
Der Verwalter sollen treu die Aufgaben erledigen, solange der Herr abwesend ist. Der Auftrag bestand darin in der Zeit der Abwesenheit des Herrn für die anderen zu sorgen, darauf zu achten dass sie nicht zu kurz kommen.
Dieser Auftrag gilt nach wie vor auch für uns:
Es reicht als Lebenseinstellung also nicht aus zu sagen: jeder ist sich Selbst der Nächste. Der Auftrag des Herrn wird erst dann erfüllt, wenn ich durch praktisches Handeln mit dazu beitrage, dass die Not anderer gelindert und Bedürfnisse gestillt werden.
Nächstenliebe ist hier angesprochen und gefordert. Es geht um praktisch gelebte Diakonie, die Jesus in der Zeit seiner Abwesenheit von seinen Jüngern erwartet.
Wie kann das aussehen?
Viele von uns haben das erlebt in den letzten Monaten und Wochen, als ihr Angehöriger noch lebte. Sie haben ihn vielleicht zuhause gepflegt, oder im Krankenhaus besucht, sie haben die Zuwendungen von anderen Menschen erfahren und sie sind dankbar für diese menschliche Zuwendung.
Die Hilfe für andere kann viele Formen haben. Z.B der Besuch oder der Anruf bei einem Menschen, der alleine ist.
Gerade jetzt in der kommenden Vorweihnachtszeit denken wir wieder besonders an notleidende Menschen.
Im Dezember machen meine Konfirmanden ein Praktikum in Vluyn: Sie besuchen Einrichtungen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben anderen zu helfen. Sie gehen in die Freizeit und Begegnungsstätte, wo behinderten Menschen geholfen wird, sie gehen in die Altenheimat, wo älteren Menschen geholfen wird, sie gehen zur Vluyner Tafel, wo Lebensmittel für bedürftige Familien in Vluyn gesammelt werden und sie gehen in den Treff 55, wo Menschen in schwierigen Lebenslagen sich Rat holen und Beratung finden. Die Konfirmanden sollen sich ein Bild davon machen wie Menschen sich um andere Menschen kümmern und wie Nächstenliebe praktisch werden kann.
Jeder von uns wird an einer Stelle gebraucht um unsere Welt ein Stück menschlicher, friedlicher und liebevoller zu machen. Jeder ist von Jesus beauftragt die Zeit gut zu nutzen um seinen Auftrag zu erfüllen.
Als der Herr zurückkommt heißt es in der Geschichte, wird der treue Verwalter belohnt. Derjenige, der sich um andere gekümmert hat und Verantwortung übernommen hat bekommt von Gott Größeres anvertraut. Treue im Kleinen zahlt sich aus.
Der Auftrag, den Jesus uns gegeben hat besteht in der Weitergabe des Evangeliums. "Geht hin in alle Welt und macht zu Jüngern alle Völker..." So wie Jesus selber nicht nur gepredigt, sondern auch geheilt und geholfen hat, so sollen auch wir in seiner Nachfolge als treue Knechte nicht nur mit Worten, sondern auch in unserem Handeln bezeugen, dass er der Herr ist, dem wir dienen wollen.
Glaube und Handeln gehören untrennbar zusammen.
Dieses Handeln ist von jedem gefordert und wir sehen es im Leben vieler, deren Namen wir nachher verlesen werden.
Und ein Drittes:
3. Niemand wird vergessen
Wir denken heute noch einmal an unsere Verstorbenen Angehörigen. Es liegt uns viel daran, dass wir sie nicht vergessen und die Erinnerung und das Andenken an sie bewahren.
Genauso sollen wir auch die Worte Jesu in unseren Herzen bewahren. Denn auch er ist gestorben, wir denken an sein Leben, an seine Worte und an sein helfendes Handeln. Er ist der erste der von den Toten auferstanden ist. Er ist der Herr, den wir im Leben und im Sterben vertrauen können.
Wenn wir unser Leben nach seinen Worten ausrichten und tun was er von uns erwartet, dann dürfen wir getrost in die Zukunft gehen, denn er wird uns nicht vergessen, sowenig wie wir unsere angehörigen vergessen werden. Ich bin bei euch alle Tage, bis an das Ende der Welt sagt er. Das ist kein leeres Versprechen, sondern erfahrbare Wirklichkeit. Wenn wir gleich miteinander das Abendmahl feiern, dann erinnern wir uns an Jesus und wir glauben, das er als der Auferstandene in unserer Mitte lebt. Weil Jesus keinen von uns vergessen wird, deshalb wollen wir seinen Auftrag, den er uns gegeben hat auch nicht vergessen und die Zeit die uns verbleibt nutzen um Gutes zu tun.
Auch wenn uns vieles genommen wurde es bleibt uns doch noch vieles wofür wir zu danken haben. Denn Gottes Treue bleibt bestehen.
Denken wir immer daran: Er kommt gewiss, Treue wird belohnt und niemand wird vergessen.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus.
Amen.
