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Der Vorher-Nachher-Effekt des Glaubens

  • 1.Petr 1,13-21
  • 19.3.2006
  • Dorfkirche Vluyn
  • Stefan Vogt

1. Petr 1, (13-17).18-21
13 Seid bereit und stellt euch ganz und gar auf dieses Ziel ein. Lasst euch nichts vormachen, seid nüchtern und richtet all eure Hoffnung auf Gottes Barmherzigkeit, die er euch in vollem Ausmaß an dem Tag erweisen wird, wenn Jesus Christus als Herr der Welt wiederkommt. 14 Weil ihr Gottes Kinder seid, gehorcht ihm und lebt nicht mehr wie früher, als ihr euren Leidenschaften hilflos ausgeliefert wart und Gott noch nicht kanntet. 15 Jetzt sollt ihr leben wie Christus, der euch als seine Jünger berufen hat: Vorbildlich, ja heilig soll euer ganzes Leben sein. 16 Genau das meint Gott, wenn er sagt: "Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig." 17 Ihr betet zu Gott als euerm Vater und wisst, dass er jeden von euch nach seinem Verhalten richten wird, und zwar ohne jedes Ansehen der Person. Deswegen führt euer Leben in Gehorsam und Ehrfurcht vor Gott, solange ihr noch nicht am Ziel seid. 18 Denkt daran, was es Gott gekostet hat, euch aus der Sklaverei der Sünde zu befreien, aus einem sinnlosen Leben, wie es schon eure Väter geführt haben. Christus hat euch losgekauft, aber nicht mit Geld, 19 sondern mit seinem eigenen kostbaren Blut, das er als unschuldiges, reines Lamm Gottes für uns geopfert hat. 20 Dass er für uns sterben sollte, hatte Gott schon vor Erschaffung der Welt bestimmt. Aber erst jetzt, in dieser letzten Zeit, ist Christus zu euch gekommen, um euch zu retten. 21 Durch ihn habt ihr zum Glauben an Gott gefunden. Er hat Jesus Christus von den Toten auferweckt und ihm seine göttliche Herrlichkeit gegeben, damit ihr an ihn glaubt und eure ganze Hoffnung auf ihn richtet.

Liebe Gemeinde,
in Zeitschriften entdecke ich manchmal Werbung mit einem Vorher und Nachher-Effekt Da wird z.b. eine super Diät angepriesen und es werden Bilder gezeigt: vorher und nachher. Auf dem Vorhehr-Bild sieht man eine füllige Frau mit ein paar Pfunden Übergewicht und auf dem Nachhehr-Bild ist dann dieselbe Frau plötzlich superschlank abgebildet. Diesen vorher und nachher Effekt findet man z.b. auch in der Werbung für Schönheitsoperationen bei Frauen oder für spezielle Mittel gegen Haarausfall bei Männern.
Bei solchen vorher und Nachhehr-Versprechungen bin ich immer sehr misstrauisch. Da wird meistens zu viel versprochen und nur wenig oder gar nichts von den Versprechungen gehalten. Oft geht es den Anbietern nur um einen finanziellen Gewinn.

Wie ist das eigentlich mit dem christlichen Glauben habe ich mich gefragt. Gibt es da nicht auch so einen "vorher-nachher-Effekt" ? Ich meine: vorher ein Leben ohne Gott und nachher ein Leben mit Gott. Ein sichtbares Zeichen für diese Wende im Leben ist ja die Taufe eines Jugendlichen oder Erwachsenen. Jeder der getauft ist der hat eine Zeit hinter sich, in der er nicht getauft war und eine Zeit vor sich als Getaufter.

Unser Predigttext gebraucht auch solch einen vorher und nachher Vergleich. Es gibt ein früher und ein jetzt. Was kann das für uns heißen?

Dazu einige Überlegungen:

1. die einzige Bibel, die die Öffentlichkeit von heute noch liest, hat einmal jemand gesagt, das sind wir Christen. An uns lesen die Menschen ab, ob es sich lohnt zu glauben, ob es sich lohnt Christ zu werden, ob es sich lohnt anderes dafür aufzugeben.
Was können andere an uns ablesen, wenn sie uns beobachten?
Welche Botschaft spricht durch unser Leben, durch unsere Worte und durch unser Verhalten?
Wie treten wir in Erscheinung als einzelne und als Gemeinde? Als Botschafter Christi, als Menschen die über sich selbst hinausweisen, denen man eine lebendige Hoffnung und die Versöhnung mit Gott abspüren kann? Oder als die ewigen Kritiker, die an allem nur etwas auszusetzen haben, denen nichts recht ist und denen die Unzufriedenheit ins Gesicht geschrieben steht? Welche Botschaft spricht durch unser Leben? Wenn Christen sich durch nichts von anderen unterscheiden, dann ist es für Außenstehende schwer nachzuvollziehen, warum man denn Christ werden soll. Wenn alles beim alten bleibt, dann kann man schließlich auch so bleiben wie man ist. Das ist doch vollkommen logisch. Aber wenn es einen nennenswerten Unterschied zwischen dem Christsein und dem Nichtchristsein gibt, dann sollten wir darüber reden. Der erste Unterschied, den ich in unserem Predigttext finde ist die Hoffnung.

2. Zeig mir wie du lebst und ich sage dir, was du hoffst

Es macht einen Unterschied, ob ich für mich und diese Welt eine Hoffnung habe, oder nicht. Die Umstände können dieselben sein, aber die Hoffnung, macht den Unterschied.

Es ist so wie bei diesen beiden Männern, die im Winter auf einer nassen Landstrasse unterwegs sind. Es ist kalt und der Wind bläst ihnen ins Gesicht. Der eine erwartet nichts mehr, läuft gebückt, er hat kein Ziel und weiß nicht wohin, der Mantel hängt offen bis zum Boden und es ist ihm egal ob er krank wird. Er hat kein Ziel, keine Heimat, keine Hoffnung. So wie er gehen viele Menschen durch ihr Leben. Haltlos und heimatlos, hoffnungslos. Etwas weiter geht anderer Mann auf derselben Strasse. Der kalte Wind weht ihm ins Gesicht. Doch er pfeift ein Lied, denn er sieht in der Ferne die ersten Häuser seiner Stadt, seines Zuhauses, sein Zuhause. Er sieht die Lichter im Haus und er weiß. Nach der eisigen Kälte auf diesem beschwerlichen Weg gibt es einen Ort, wo er hingehört. Diese Hoffnung gibt ihm die Kraft den Weg zielstrebig weiter zugehen.
Durch Jesus können wir solch eine Hoffnung haben.

Wie kommt es, dass viele vor allem Jugendliche immer aggressiver werden in ihrer Sprache und in ihrem Verhalten. Ich glaube es ist die fehlende Hoffnung. Wer nicht weiß, wo er für seine Zukunft nichts Gutes mehr erwartet, der sieht die Dinge nur noch schwarz und für den hat die Gegenwart keine Bedeutung mehr. Der baut nichts mehr auf, sondern der zerstört nur noch mutwillig.
Für Christen gilt, dass sie ein Ziel vor Augen haben: die Wiederkunft Jesu. Eines Tages wird Jesus wiederkommen und dann wird er uns nach unseren Leben fragen. Was wir daraus gemacht haben, für wen wir gelebt haben, was uns wichtig gewesen ist und wie und womit wir unsere Zeit verbracht haben. Es kommt der Tag an dem Jesus kommen wird. Noch ist es nicht soweit aber wir warten darauf.
Dieses Warten möchte ich einmal vergleichen mit dem Warten auf eine bestellte Pizza. Manchmal bestellen wir für unsere ganze Familie Pizza in der Pizzeria und lassen sie uns nach Hause liefern. Nachdem ich per Telefon die Bestellung aufgegeben habe, heißt es für uns alle: warten. Warten, bis die Pizza kommt. In dieser Zeit sieht man sie noch nicht, aber der Tisch wird schon gedeckt und uns läuft das Wasser im Mund zusammen, wie man sagt. Man kann sich schon vorstellen, wie sie gerade zubereitet und in den Ofen geschoben wird. Auch wenn sie noch nicht da ist.
So ist es auch mit der Wiederkunft Jesu. Trotz allem Chaos in der Welt sehen wir ihn noch nicht. Er ist noch nicht da, aber wir dürfen wissen. Er wird kommen, wie die bestellte Pizza.

Bis dahin fordert der Verfasser des Petrusbriefes uns auf entsprechend zu leben- nämlich als Gottes Kinder und als Heilige. "Jetzt sollt ihr leben wie Christus, der euch als seine Jünger berufen hat: Vorbildlich, ja heilig soll euer ganzes Leben sein." Das gehört zu dem Vorher-Nachher Effekt der Taufe.
Das ist mein nächster Punkt:

3. Heilig aber nicht scheinheilig
Es gibt ja auch eine Art Scheinheiligkeit, die schon Jesus angeprangert hat. Ich denke an das Gleichnis das Jesus erzählt hat. Zwei Männer gehen in den Tempel um zu beten. Der eine betet selbstgerecht: Lieber Gott ich danke dir, dass ich nicht so ein gottloser Sünder bin wie der da drüben. Der aber betet: Herr sei mir Sünder gnädig. Jesus fällt ein hartes Urteil über den Selbstgerechten, der sich über den anderen erhöht. Scheinheilig würde ich dazu sagen. Davor müssen wir uns hüten. Heilig zu leben bedeutet so zu leben, dass Gott sich daran freut. Gutes zu tun, den anderen zu lieben wie mich selbst und für andere da zu sein. Heilig zu leben geschieht nicht nur sonntags in der Kirche, sondern die ganze Woche über, im Alltag der Welt in den ganz praktischen Dingen. Heilige schweben nicht 10 cm über der erde, sondern stehen mit beiden Beinen fest auf der Erde. Heilige heilen die Welt sagt Axel Kühner und ich lese uns einmal was er dazu geschrieben hat:

Heilige sind Menschen wie Du und ich, die Gott gehören.
Nur die Heiligen heilen die Well.
Die Scheinheiligen entstellen sie.
Die Eisheiligen erschrecken sie.
Die Eiligen übersehen sie.
Die Gierigen verderben sie.
Die Hassenden zerslören sie.
Die Ängstlichen meiden sie.
Die Mächtigen benutzen sie.
Die Klugen erklären sie.
Die Phantasten verklären sie.
Nur die Heiligen heilen die Welt.
(Axel Kühner)

Zu solch einem Leben für Gott und die Menschen sind wir berufen. Durch Christus sind wir befreit, erlöst, ja losgekauft aus der Sklaverei der Sünde. So lesen wir: 18 Denkt daran, was es Gott gekostet hat, euch aus der Sklaverei der Sünde zu befreien, aus einem sinnlosen Leben. Christus hat euch losgekauft, aber nicht mit Geld, 19 sondern mit seinem eigenen kostbaren Blut, das er als unschuldiges, reines Lamm Gottes für uns geopfert hat.

4. Losgekauft
Lösegeldzahlungen hat es schon immer gegeben.
Schon in der Antike war es üblich, Lösegeld für Gefangene zu erpressen. So geriet der römische Feldherr Gaius Julius Caesar in die Hände von Seeräubern. Durch die Zahlung von 20 Talenten ist er freigekommen. Der spanische Eroberer Francisco Pizarro bekam im Jahre 1533 für die Freilassung des Inka-Häuptlings Atahualpa rund 25 Tonnen Gold und Silber.
Die Gefangenschaft des englischen Königs Richard Löwenherz, endete 1194 nach der Entrichtung eines Lösegeldes von 6000 Eimern Silber.

Als es noch die DDR gab, hat die regierjung der Bundesrepublik politische Gefangene aus den Gefängnissen der DDR losgekauft. Da haben sich für Westgeld die Gefängniszellen in der DDR geöffnet, die sonst verriegelt waren.
Heute werden Lösegelder im Zusammenhang von Entführungen verlangt. Journalisten, Urlauber oder Ingenieure werden gekidnappt, plötzlich verschleppt und oft gequält. Wenn die Regierungen der Heimatländer Glück haben bekommen sie Kontakt zu den Entführern und können dann nach zähen Verhandlungen so viel "Lösegeld" zahlen, dass die Gefangenen frei kommen.

Warum erzähle ich das: Der Grund ist in der Bibel zu lesen: auch wir sind Gefangene der Sünde. Das ist das Vorher des Glaubens. Gott hat das Lösegeld längst bezahlt, die Türen stehen offen und wir sind freigekauft durch das Blut Jesu Christi, der uns erlöst.
Wir wären doch dumm, wenn wir diese Freilassung einfach ignorieren, wenn wir weiterhin im Gefängnis der Sünde bleiben, obwohl die Türe längst aufgeschlossen ist. Das Lösegeld für uns alle ist gezahlt - nicht mit Gold und Silber oder Dollar, sondern mit dem Leben Jesu. Die Verhandlungen sind abgeschlossen und das Ergebnis steht fest. Der Preis ist gezahlt.
Deshalb brauchen wir nicht länger als Knechte der Sünde leben, wie die Bibel sagt, sondern als Gottes Kinder. Wir können zu Gott Vater sagen.
Ja, es gibt einen "Vorher- und Nacher-Effekt" des Glauben. Doch der lebt nicht von falschen Versprechungen, sondern von den Zusagen Gottes. Wer glaubt wird Leben, denn " so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben."
Amen.