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Es bleibt dabei: Ich sage ja zu dir

  • 2.Kor 1,19
  • Stefan Vogt
  • Dorfkirche Vluyn
  • Valentinsgottesdienst (für Verliebte, Verlobte unbd Verheiratete)

Predigt Valentinsgottesdienst 2006

Liebe Verliebte, Verlobte und Verheiratete,

Drei Szenen einer Ehe haben wir eben gesehen. Drei Szenen mit offenen Ende.
Ist nicht jede Beziehung, jede Ehe wie das Drehbuch eines Filmes, das wir selber schreiben, aber bei dem wir noch nicht wissen, wie er ausgeht? Als Hauptdarsteller sind wir mitten drin und die einzelnen Szenen und Handlungsabläufe können wechseln. Das Drehbuch muss immer wieder um- und weitergeschrieben werden und das Ende ist offen.

Am Anfang einer Ehe spielt sich mitten in unserem Leben ein Liebesfilm ab und wir selber spielen die Hauptrolle dabei. Das Hochgefühl des Verliebseins trägt uns auf Wolke 7. Die Gefühle für den anderen schalten unseren Verstand in den standby modus. In dieser Anfangsphase gleicht unsere Beziehung einem romantischen Liebesfilm a la pretty woman, dirty dancing oder oder Rosamunde Pilcher.

[?] Wie kommt es, dass es vielen Paaren nicht gelingt in ihrem Liebesfilm zu bleiben und sozusagen aus der Rolle fallen? Aus mancher Ehe, die mit viel Romantik begann wird im Laufe der Zeit ein Krimi mit Verfolgungsjagd eine lustige Komödie oder Realsatire über die andere lachen können oder den Kopf schütteln oder zu einem PsychoThriller bei dem es einem eiskalt den Rücken herunterläuft. Sie merken ich übertreibe etwas, oder etwa doch nicht?

Wie auch immer. Bei vielen Paaren bleibt im Laufe der Zeit die Liebe auf der Strecke und man lebt sich auseinander.
Die Anforderungen des Berufes oder der Kindererziehung oder Veränderungen anderer Art stellen die Ehe auf eine harte Probe.
Die Phase der Verliebtheit klingt, wenn man den Wissenschaftlern glauben kann nach zwei Jahren ab. Dann kommt es darauf an von Wolke sieben sanft auf der Erde zu landen - ohne eine Bruchlandung zu machen.

Dann zeigt sich ob die Beziehung den Belastungen des Alltags gewachsen ist. Hierzu gehören die Kindererziehung und der berufliche Stress.
(Beispiele) Ich meine solche Dinge: Wenn man morgens im Halbdunkel durch das Kinderzimmer tappt und sich dabei seinen Fuß wieder einmal an herumliegenden Duplosteinen aufreißt, oder wenn darüber diskutiert wird, wer denn jetzt mit Kind zum Kinderarzt geht, da er eigentlich zum Sport will und sie ja noch einen dringen Termin zur Maniküre hat, der sich nicht verschieben lässt. Oder wenn über den nächsten Urlaub diskutiert wird, ob man mit dem Wohnmobil zum Plattensee oder lieber eine Ferienwohnung am Jadebusen bucht. Oder die einfache Frage wer den jetzt schon wieder den Müll ausleeren geht und sich alle vor Begeisterung kaum zurückhalten können.
Es sind die vielen alltäglichen Dinge, kleine Reibereien oder auch tieferliegende ungestillte Sehnsüchte und Wünsche, die das anfängliche Ja zum Partner allmählich in Frage stellen, so wie es uns die drei Szenen vorhingezeigt haben.

[?] Was hilft uns dabei, dass der Liebesfilm unserer Ehe ein echter Liebesfilm bleibt und nicht zu solchen Szenen einer Ehe wird wie sie Ingmar Bergmann in seinem gleichnamigen Film dargestellt hat?

Damit komme ich zu unserem Thema:
"Es bleibt dabei, ich sage ja zu dir", so haben wir diesen Gottesdienst heute überschrieben. Ich glaube dieses verbindende JA zueinander ist der Schlüssel dafür, ob unsere Ehe ein Liebesfilm bleibt.
Am Anfang ist alles völlig klar: Ich sage Ja zu dir. Auf dem Standesamt haben sie sich dieses Ja-Wort gegeben und viele von ihnen auch in der Kirche. Am Anfang war dieses Ja zweifellos klar und deutlich.
In der Praxis zeigt sich jedoch, dass es vielen Paaren nicht gelingt dieses vorbehaltlose Ja auf Dauer aufrecht zu erhalten. Im Laufe der Zeit wird dem "ja" ein "ja, aber", ein "jein" und wenn es schief läuft irgendwann zu einem unausgesprochenen oder ausgesprochenen "Nein".



[?] Wie kommt es zu dieser Veränderung? Ist die Liebe so vergänglich wie der Duft eines betörenden Parfums, so kompliziert wie ein kniffliges Kreuzworträtsel oder liegt es an der schnelllebigen Zeit in der wir leben, an den Rahmenbedingungen, die für die Liebe kaum noch Raum lässt?

[?] Was kann uns helfen, das unserer Beziehung weiter als Liebensfilm verläuft?

Ich habe vier Punkte gefunden die mir dabei wichtig erscheinen, die ich kurz vorstellen möchte:

1. Ich bin von Gott bejaht (auch wenn ich manchmal daran zweifle)
2. Du bist ein Geschöpf und Geschenk Gottes (Partner aus Gottes Hand annehmen)
3. Ich will dich lieben ( mit deinen Macken)
4. Ich will es dir sagen (in der Sprache die du verstehst)

1. Ich bin von Gott bejaht
Wir kennen alle den Spruch: "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst". Das ist die Vorraussetzung für die Liebe und für dieses Jawort. Wer einen Menschen lieben will, der muss sich selber geliebt wissen.
Hier kommt für mich der Glaube ins Spiel. Paulus schreibt: "Der Sohn Gottes, Jesus Christus, der war nicht Ja und Nein, sondern es war Ja in ihm."(2.Kor 1,19)
Mit Jesus Christus spricht Gott sein ja zu uns. Bedingungslos, voraussetzungslos, vorbehaltlos. Gott sagt Ja zu dir als Mensch, so wie du bist mit Haut und Haaren, mit deinen Ecken und Kanten, mit deinen Makeln und Macken. Dieses Ja zu uns ist Gottes Liebeserklärung an jeden einzelnen Menschen.
Dieses Ja Gottes zu uns widerspricht allen Neins, die wir uns vielleicht selber sagen, oder die wir im Laufe des Lebens zu hören bekommen. Nein, das kannst du nicht, das darfst du nicht, das schaffst du nicht, hörten wir vielleicht in unserer Kindheit. Nein, wir können sie nicht weiter beschäftigen, Nein, dafür ist ein anderer besser geeignet, Nein dafür reicht ihre Qualifikation nicht hören wir vielleicht im Berufsleben und in so mancher Beziehung heißt es dann: Nein, ich liebe dich nicht mehr. Nein, so will ich nicht mehr weiterleben.
Gegen alle dieses Neins spricht Gott sein Ja zu uns. Darauf können wir unser leben bauen.

2. Du bist ein Geschöpf und Geschenk Gottes (Partner aus Gottes Hand annehmen)
Wenn ich mich selber von Gott geliebt und bejaht erfahre, kann ich auch meinen Partner aus Gottes Hand annehmen. In der Vergangenheit wurde dem christlichen Glauben ja eine gewisse Leibfeindlichkeit vorgeworfen, so als ob alles Körperlich und alle Lust im Glauben verpönt sei. Wenn die Bibel davon spricht, dass die zwei ein Fleisch werden, dann ist das ganzheitlichgemeint. Körper Seele und Geist sollen eins werden. Ich verstehe das so: Beim Sex geht nicht nur um den Austausch bestimmter Körperflüssigkeiten, sondern um ein wunderbares Geschenk, dass Gott einem Liebespaar gegeben hat und das sich im Laufe der Jahre entwickelt und nichts von seinem Prickeln verliert.
Wenn ich den Partner als Geschenk ansehen kann, dann hilft es mir, wenn ich mir immer wieder vor Augen halte, wie wertvoll der andere für mich ist - und es ihm sage und zeige.

3. Ich will dich lieben ( mit deinen Macken)
In den Gesprächen, die ich mit meinen Traupaaren führe gehe ich immer auch auf dieses "Ich will.." ein. D.h. für das Leben zu zweit braucht es einen willentlichen Entschluss. Über das Gefühl und über den Verstand hinaus lebt jede Beziehung von der Entscheidung die beide füreinander getroffen haben. Ich muss den anderen auch lieben wollen - und zwar so wie er ist, mit seinen Ecken und Kanten - in guten wie in schlechten Zeiten. Das fällt manchmal schwer, vor allem, wenn sich Veränderungen ergeben, wenn Kinder dazukommen oder wenn die berufliche Belastung steigt. Aus einem ich und einem du ist ein wir geworden. Dieses wir braucht gemeinsame Zeit und
Raum um wachsen zu können. Es hilft einer Beziehung, wenn man sich als Paar Zeit füreinander nimmt, vielleicht ein gemeinsames Wochenende, ein gemeinsamer Urlaub ohne Kinder oder ein regelmäßiger Tag im Monat, der den Alltag unterbricht. In dieser gemeinsamen Zeit können wir dem Partner sagen, was er uns bedeutet. und damit bin ich bei meinem letzten Punkt:

4. Ich will es dir sagen (in der Sprache die du verstehst)
Es genügt im Laufe der Zeit nicht, dass wir uns einmal zu Beginn unserer Ehe das Jawort gesagt haben. Wir müssen es immer wieder sagen mit Worten, mit kleinen Zeichen und liebevollen Gesten und mit unserem praktischen Verhalten. Dabei ist es wichtig, dass wir dieses Ja in der richtigen Sprache ausdrücken.

Gary Chapman der Autor des Buches die 5 Sprachen der Liebe fragt: Wo ist die Liebe nach der Hochzeit geblieben? und er antwortet darauf: Wir sprechen unterschiedlichen Sprachen der Liebe. Es ist nicht so, dass einer den anderen nicht mehr liebt. Aber er drückt seine Liebe in einer Sprache aus, die der andere nicht versteht. Das "Ja, ich liebe dich", kommt beim anderen nicht mehr so an, weil er und sie eine andere Sprache der Liebe spricht, d.h seine Liebe zum anderen anders ausdrückt. Diese 5 Sprachen sind
1. Lob und Anerkenung, 2. Zweisamkeit - zeit nur für Dich 3. Geschenke, die von Herzen kommen, 4. Hilfsbereitschaft und 5. Zärtlichkeit. Es lohnt sich einmal sich mit diesen 5 Sprachen der Liebe zu befassen. Hier fehlt mir jetzt die zeit das ausführlich darzustellen.
Festhalten will ist dies: Es kommt darauf an, das wir immer wieder neu Ja zueinander sagen. Und zwar so, dass mein Partner es auch als "Ja ich liebe dich" hört und annehmen kann.

Manche Menschen wissen nicht, wie wichtig es ist, dass sie einfach da sind.
Manche Menschen wissen nicht, wie gut es tut, sie nur zu sehen.
Manche Menschen wissen nicht, wie tröstlich ihr gütiges Lächeln wirkt.
Manche Menschen wissen nicht, wie wohltuend ihre Nähe ist.
Manche Menschen wissen nicht, wie viel ärmer wir ohne sie wären.
Manche Menschen wissen nicht, dass sie ein Geschenk des Himmels sind.
Sie wüssten es, würden wir es ihnen sagen.
Petrus Elen



Gleich in diesem Gottesdienst haben sie die Möglichkeit sie dies Ja-Wort mit dem Zeichen der Rose neu zu sagen.
Aber vorher hören wir erst noch ein Lied das von Wiebke Grittmann vorgetragen wird.

Lied



Ansage Aktion:
Übermorgen ist Valentinstag, der Tag der Verliebten, an dem die Liebe aufblüht.
Im ganz Europa und Amerika schenken sich frisch Verliebte, oder schon lange zusammenlebende Paare ein Zeichen ihrer Liebe, z.B. eine Rose.
Und viele Herzen schlagen höher, denn die Liebe ist ja immer auch eine Herzensangelegenheit. Natürlich - sagt der Verstand - es gibt viele Gelegenheiten, sich Freude zu machen, es gibt Tausende Möglichkeiten dem anderen zu zeigen: ich liebe dich - dafür braucht es doch keinen besonderen Tag. Und doch ist es gut, dass es besondere Tage für die Liebe gibt. Das wollen wir jetzt aufgreifen und Ihnen als Paar jetzt die Möglichkeit geben sich ein Zeichen ihrer Liebe - eine rote Rose zu schenken. Das einzige was sie dabei tun müssen: sich vorher einigen wer wem die Rose überreicht!
Wenn Sie alleine hergekommen sind, können sie sich auch eine Rose mitnehmen um sie später zu verschenken.
Wenn die Musik jetzt gleich beginnt, kann es beginnen.
Nur Mut. Der erste Schritt ist immer der schwerste.