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Hauptsache gesund

  • Ulrich Parzany
  • 21.3.2006
  • 3. ProChrist-Abend

Hauptsache gesund! - Wer stillt unsere Sehnsucht nach Heilung?



Witze über Gesundheit macht man nur, solange man nicht krank ist. Wenn der Körper nicht so funktioniert, wie man das Tag ein Tag aus als selbstverständlich angesehen hat, dann hört der Spaß auf.

Die Weltgesundheitsorganisation hat festgelegt, was Gesundheit ist: "Ein Zustand des umfassenden körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht lediglich das Freisein von Krankheit und Schwäche".

Wer ist dann aber noch gesund? Irgendwo hakt es doch bei jedem – körperlich, geistig oder sozial. Spötter sagen: Es gibt nur kranke Menschen und solche, die noch nicht beim Arzt waren. Das hohe Ziel ist okay, aber wie können wir es erreichen?

Der Psychologe Stephan Grünewald spricht in seinem gerade erschienenen Buch „Deutschland auf der Couch“ von eine „unbewussten Ersatz-Religion“. Sie verspricht uns, dass das Leben nicht mühselig ist, keine Anstrengungen, Krankheiten, Leiden und Risiken zumutet. Er sagt, noch im 20. Jahrhundert lebten die Menschen nach dem Prinzip „Schallplatte“, jetzt sei die CD das Modell. Die Nadel setzt auf der Platte auf, fährt durch die Rille, muss ihr folgen, ist gewissermaßen in der Rille gefangen, arbeitet sich durch die Furchen. Sie kommt das Leben zum Klingen. Aber es gibt auch Abnutzung, Kratzer, Risse. Knistern und Rauschen nehmen zu.

Dann kam die CD. Nicht mehr eingezwängt in Rillen. Auf Knopfdruck kann man mühelos die schönsten Stellen ansteuern. Man muss keine Entwicklungen abwarten, bis man zu den Höhepunkten kommt. Man kann überspringen, was einem nicht gefällt. Es gibt keine Abnutzung und Alterung. Immer höchste Qualität. Er nennt das „unverbrauchte Brillanz“. Dieses „digitale Lebensideal“ habe in den letzten 15 Jahren unsere Hoffnungen, Erwartungen und das Handeln im Alltag bestimmt.

Kernbotschaft der Ersatzreligion: Leben in ewigem jugendlichen Glanz und nie versiegender Vitalität“. Aber er stellt fest, dass immer mehr Menschen erkennen, dass diese Vorstellungen ein Irrglaube sind, der unser Leben sehr schwer macht, ja, unsern Alltag schon zur Vorhölle „von rastloser Erschöpfung und hektischer Besinnungslosigkeit“ gemacht hat. Außerdem seien wir unfähig die Aufgaben in der Umbruchsituation unseres Lebens und unserer Gesellschaft anzupacken und zu bewältigen.

Wir erreichen mit unseres jüngsten Lebensweise die Erfüllung unserer Träume also nicht. Im Gegenteil. Was sollen wir tun? Die Sehnsucht bleibt.

Staunen und danken

Was einem selbstverständlich vorkommt, nimmt man gar nicht besonders wahr. Aber wie kostbar ist es, wenn ich morgens aufstehen und gehen kann! Wer einmal ans Bett gefesselt war und die elementaren Verrichtungen der körperlichen Hygiene nicht selber tun konnte, der weiß das Geschenk zu würdigen, die ganz einfachen Dinge des alltäglichen Lebens selber tun zu können. Ich habe mir angewöhnt, an jeden Morgen Gott für das gesunde Erwachen zu danken.

Wir haben in den letzten 100 Jahren riesige Fortschritte in der Medizin erlebt. Denken Sie daran, wie viele Menschen - Mütter und Kinder - früher schon bei der Geburt gestorben sind. Unsere älteste Tochter ist durch Kaiserschnitt zur Welt gekommen. Man sagt, das seien die schönsten Kinder. Diese Operation ist ja noch nicht so lange in der Menschheitsgeschichte möglich. Ohne sie mussten Mutter und Kind sterben. Haben Sie je über die wunderbaren Hilfe gestaunt und Gott dafür gedankt?

Die Sterblichkeitsrate bei Geburten ist bei uns drastisch gesunken. Leider werden dafür heute bei uns hunderttausende von Kindern abgetrieben.

Außerdem sind die Chancen auf der Welt ungerecht verteilt. Es gibt mehr Gesundheit für Reiche und für Städter, für Menschen in Europa und in Nordamerika als für die Menschen in den armen Ländern der Welt und in den ländlichen Gebieten.

Neue Plagen

Trotz aller Fortschritte fühlen wir uns heute weltweit von Krankheiten bedroht. Die Angst vor Vogelgrippe geht wie ein Gespenst um. HIV/AIDS droht ganze Nationen auszurotten. Im Jahr 2005 sind 3,1 Millionen Menschen daran gestorben. Davon mehr als eine halbe Million Kinder unter 15 Jahren. Der Krebs ist unbesiegt. Bei bestimmten Formen von Malaria helfen die bisher eingesetzten Medikamente nicht mehr. Und dann ist da die Flut der psychischen Erkrankungen. Überrascht muss man zur Kenntnis nehmen, dass die Depressionen bei den Reichen in den Überflussgesellschaften am weitesten verbreitet sind. Sie sollten doch glücklich und zufrieden sein, oder?

Die Wirtschaft rechnet mit den größten Zuwächsen für die nächsten Jahre und Jahrzehnte im Gesundheitssektor. Die so genannten Lebenswissenschaften und die daraus entwickelten Verfahren versprechen hohen Profit.

Durch die Jahrhunderte ist unverändert: Wo jemand auftritt, der Heilung verspricht, da strömen die Leute zu ihm. Daran hat der Fortschritt der modernen Medizin nichts geändert. Im Gegenteil: Die Enttäuschung und Kritik an der modernen Medizin und Arzeneimittel-Industrie ist groß. Alternative Angebote sind begehrt. Auch Scharlatane machen ihr gutes Geschäft.

Jesus heilte

Als Jesus Christus seine Wirksamkeit begann, wirkte er wie ein Magnet auf die Kranken. Im Neuen Testament wird uns berichtet, dass viele Kranke zu Jesus gebracht wurden. Und er heilte sie alle. Wenn heute jemand geheilt werden will, geht er in der Regel zum Arzt oder ins Krankenhaus. Wie ist das eigentlich? Hat Jesus heute noch etwas mit Krankheit und Gesundheit zu tun? Können wir erwarten, dass er unsere Sehnsucht nach Gesundheit stillt?

Im Markus-Evangelium, Kapitel 2, 1-12 finden wir einen Bericht, der uns - wie ich glaube - unsere Fragen beantworten kann:

„Und nach einigen Tagen ging er wieder nach Kapernaum; und es wurde bekannt, daß er im Hause war. Und es versammelten sich viele, so daß sie nicht Raum hatten, auch nicht draußen vor der Tür; und er sagte ihnen das Wort. Und es kamen einige zu ihm, die brachten einen Gelähmten, von vieren getragen. Und da sie ihn nicht zu ihm bringen konnten wegen der Menge, deckten sie das Dach auf, wo er war, machten ein Loch und ließen das Bett herunter, auf dem der Gelähmte lag. Als nun Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gelähmten: Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben. Es saßen da aber einige Schriftgelehrte und dachten in ihren Herzen: Wie redet der so? Er lästert Gott! Wer kann Sünden vergeben als Gott allein? Und Jesus erkannte sogleich in seinem Geist, daß sie so bei sich selbst dachten, und sprach zu ihnen: Was denkt ihr solches in euren Herzen? Was ist leichter, zu dem Gelähmten zu sagen: Dir sind deine Sünden vergeben, oder zu sagen: Steh auf, nimm dein Bett und geh umher? Damit ihr aber wißt, daß der Menschensohn Vollmacht hat, Sünden zu vergeben auf Erden - sprach er zu dem Gelähmten: Ich sage dir, steh auf, nimm dein Bett und geh heim! Und er stand auf, nahm sein Bett und ging alsbald hinaus vor aller Augen, so daß sie sich alle entsetzten und Gott priesen und sprachen: Wir haben so etwas noch nie gesehen.“

Gut, wenn man Freunde hat!

Wir hören von dem Mann, dass er vier Freunde hatte. Das kann nicht jeder sagen, der sich mit Krankheit herumquält. Ich hörte von einer Frau, die Krebs hatte: "Es ruft kaum noch jemand an.“ Warum wird es oft um leidende Menschen still? Was soll man ihnen sagen? Übers Wetter möchte man nicht einfach schwatzen. Etwas wirklich Hilfreiches fällt einem in dieser Situation nicht ein. Also traut man sich gar nicht erst anzurufen. Also haben kranke Menschen zusätzlich noch unter der Einsamkeit zu leiden.

Der Mann in unserer Geschichte hatte vier Freunde, die sich um ihn kümmerten. Sie konnten ihm zwar selber nicht helfen, aber sie wollten ihn wenigstens zu jemandem bringen, der hoffentlich helfen würde.

Das ist übrigens eine Einstellung, die uns Christen heute angesichts der Not unserer Nachbarn und Freunde bestimmt. Wir würden gerne helfen, aber wir wissen oft auch keine Lösung. Aber wir sind überzeugt, dass Jesus Christus die Lösung ist. Darum bemühen wir uns so sehr, andere Menschen mit Jesus in eine direkte Beziehung zu bringen. Das ist auch Sinn dieses Buches.

„Wenn ich die Christen schon sehe!“ – Oder: Stau im Wartezimmer

Der erste Erfahrung mit der Umgebung von Jesus ist enttäuschend. Das Haus ist überfüllt. Die Leute sind alle sehr interessiert daran, die Worte von Jesus zu hören. Aber sie haben leider überhaupt kein Interesse an dem kranken Mann. Sie kehren ihm und seinen Freunden den Rücken zu. Sie blockieren den Zugang. Das ist blanker religiöser Egoismus.

Es ist leicht vorstellbar, dass die Freunde sauer und bitter reagieren: „Wenn das die Christen sind, wollen wir mit diesem Christus nichts zu tun haben.“ Leider reagieren viele Menschen heute so. Irgendwo sind sie von der Kirche enttäuscht worden. Nun wollen sie mit der Bibel und mit Jesus nichts mehr zu tun haben. Ob das wirklich klug ist, lassen wir mal dahingestellt sein.

Die Freunde des kranken Mannes jedenfalls geben nicht auf. Ihre Liebe ist hartnäckig und fantasiereich. Sie steigen Jesus aufs Dach. Sie graben ein Loch in das Dach. Es war nicht mit Ziegeln gedeckt, sondern nach damaliger Bauweise mit Lehm und Holzbalken gebaut. Der Putz fällt von der Decke. Die Decke könnte einstürzen. Die Sache wird lebensgefährlich. Und schmutzig. Auf diese Art und Weise aber bekommen sie ihren kranken Freund genau dahin, wo sie ihn hin haben wollen: Vor die Füße von Jesus.

Die große Enttäuschung – Oder: Wen kümmert schon, was Sünde ist?

Jesus sieht das große Vertrauen dieser Männer. Er spricht zu dem Kranken: "Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben." Die Freunden auf dem Dach trauen ihren Ohren nicht. Was für eine Enttäuschung! Sie haben mit der körperlichen Heilung gerechnet. Nun redet Jesus von Sünde.

Ist das nicht eine geradezu typische Enttäuschung an der Kirche? Die Menschen haben reale Probleme, aber die Kirche redet von theologischen Sachen. Wer interessiert sich schon für Sünde?

In der Geschichte wird uns allerdings die Reaktionen anderer Leute berichtet, die für uns sicherlich überraschend sind. Die jüdischen religiösen Führer haben eine ganz andere Kritik an Jesus. Sie beschuldigen ihn der Gotteslästerung. "Wer kann Sünden vergeben als allein Gott?"

Diese Männer wissen genau, dass Sünde keine Belanglosigkeit ist. Es geht nicht um moralische Flecken auf der Kleidung. Auch nicht um Überschreitung der Geschwindigkeitsbegrenzung im Straßenverkehr oder Verletzung der Diätregeln. Es geht um Rebellion gegen Gott. Es geht um die tödliche Trennung des Geschöpfes vom Schöpfer. Und niemand kann diesen Riss heilen als allein Gott selbst. Sünde ist ein Beziehungsproblem zwischen Gott und uns Menschen. Dieses Problem ist so schwerwiegend, dass wir es nicht lösen können.

Im Bericht der Bibel wird von der Enttäuschung der Freunde des kranken Mannes gar nicht geredet. Ich gehe einfach davon aus, dass sie diese für uns ganz normale Enttäuschung empfunden haben. Aber Jesus kümmert sich nicht um die Freunde des Kranken sondern um die religiösen Führer. Ihr Problem ist das entscheidende. Hat Jesus das Recht, die Trennung zwischen Gott und Menschen zu überwinden oder nicht? in der biblischen Sprache: Hat Jesus das Recht, die Sünden zu vergeben?

Hören wir die Antwort von Jesus! "Was denkt ihr solches in euren Herzen? Was ist leichter, zu dem Gelähmten zu sagen: Dir sind deine Sünden vergeben, oder zu sagen: Steh auf, nimm dein Bett und geh umher? Damit ihr aber wisst, dass der Menschensohn Vollmacht hat, Sünden zu vergeben auf Erden – sprach er zu dem Gelähmten: Ich sage dir, steh auf, nimm dein Bett und gehe heim! Und er stand auf, nahm sein Bett und ging sofort hinaus vor aller Augen, so dass sie sich alle entsetzten und Gott priesen".

Wer ist der „Menschensohn“?

„Menschensohn“ ist für uns ein ungewohnter Ausdruck. Diesen Titel kannten die Juden aus dem Propheten Daniel. Er bedeutet Weltherr und Weltrichter.

Jesus erhebt den Anspruch, der Weltherr und Weltrichter zu sein. Das ist unerhört. Er beansprucht die ganze Autorität Gottes. Da kann man verstehen, dass sich die religiösen Führer empörten. Sie hielten das für Gotteslästerung. Hatten sie nicht recht? Entweder ist das Wahnsinn oder Gotteslästerung oder Wahrheit.

Zur Bestätigung seines Anspruchs spricht Jesus das Wort der Heilung. Nach den Ankündigungen des Alten Testamentes sollte der von Gott gesandte Messias Heilungen als Erkennungszeichen tun. Und genau das geschieht jetzt. Jesus hat die Vollmacht, den Kranken gesund zu machen. Aber das ist nur ein Signal für eine größere Vollmacht. Er hat Gottes Autorität. Er kann als der Weltrichter handeln. Er kann Sünden vergeben.

Warum kann er das? Weil er selbst das Gericht Gottes stellvertretend für uns Menschen tragen wird. Er ist am Kreuz für uns gestorben. Er schafft durch sein stellvertretendes Sterben die Versöhnung mit Gott.

Ob uns das nun passt oder nicht - Jesus behandelt zuerst das wichtigste Problem des Kranken. Das ist seine Trennung von Gott. Man kann gesunde Beine haben und doch in die Hölle laufen. Kein Missverständnis: Jesus hat immer wieder Kranke auch körperlich geheilt. Aber er hat das immer als ein Signal verstanden. Das Signal weist auf das eigentliche hin.

Gibt es auch heute wunderbare Heilungen?

Ja. Mit Menschen und Mitteln, die Gott gebraucht, und ohne. Man kann gelegentlich zweifeln, wann das Wunder größer ist. Ich sprach mit einer tüchtigen Krankenschwester, die ein Kind erwartete. Sie organisierte die Geburt ihres Kindes so, dass sie möglichst schnell aus dem Krankenhaus kam. Ich reagierte verwundert: „Aber du arbeitest doch dort.“ – „Eben darum. Ich weiß, wie gefährlich es dort ist,“ war ihre Antwort, die mich einigermaßen verblüffte. Ich will ja niemanden verletzen. Aber seitdem denke ich manchmal: Vielleicht ist es ein größeres Wunder, wenn Gott einen Menschen unter Beteiligung von menschlichem Hilfspersonal heilt als ohne solche Assistenz.

Ich selber glaube nur an Gott als meinen Arzt. In der Bibel lese ich sein Versprechen, an das ich mich halte: „Ich bin der Herr, dein Arzt.“ (2.Mose 15,26)

Ich bin dankbar, dass er menschliche Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger als Mitarbeiter gebraucht und Medikamente als Mittel. Dafür danke ich ihm. Ich bete für die Ärzte und für die Anwendung der Mittel und Instrumente. Ich weiß, dass ich letzten Endes von Gott abhängig bin.

Überfordert die Ärzte nicht! Macht sie nicht zu Halbgöttern in Weiß. Drängt sie nicht, so zu tun, als könnten sie den allmächtigen Gott ersetzen. Die Kehrseite der Vergötterung der Ärzte und der Vergötzung der Medizin ist dann hasserfüllte Kritik an den Ärzten, wie wir sie heute auch manchmal erleben.

Ist Krankheit eine Strafe?

Manchmal gibt es offensichtliche Zusammenhänge zwischen schuldhaftem Verhalten und den Krankheitsfolgen. Zum Beispiel: Alkoholmissbrauch ruiniert die Leber, Nikotin die Lunge.

Die Tatsache, dass es Krankheit und Leid in unserem Leben gibt, ist eine Folge des Risses zwischen Gott und Mensch. Unsere Welt ist nicht die Schöpfung, von der Gott am Uranfang sagte: Sehr gut! Auch in der zukünftigen neuen Welt, die Gott schaffen wird, haben Krankheit und Leid und Tod wie auch Ungerechtigkeit keinen Platz mehr.

Aber Jesus hat ganz eindeutig abgelehnt, dass man im Leben eines Menschen Krankheit als Strafe verrechnet. Im Johannes-Evangelium, Kapitel 9,1-5 lesen wir:

„Und Jesus ging vorüber und sah einen Menschen, der blind geboren war. Und seine Jünger fragten ihn und sprachen: Meister, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, daß er blind geboren ist? Jesus antwortete: Es hat weder dieser gesündigt noch seine Eltern, sondern es sollen die Werke Gottes offenbar werden an ihm. Wir müssen die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist; es kommt die Nacht, da niemand wirken kann. Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt.“

Die Warum-Frage lenkt den Blick in die Vergangenheit. Oft können wir uns gar nicht dagegen wehren, dass diese Frage in uns hoch kommt. Jesus weist diese Betrachtungsweise in diesem Fall schroff zurück. Er tut es in einer Weise, die uns verblüfft. Hat nicht jeder Mensch irgendwann gesündigt? Das interessiert Jesus in diesem Zusammenhang überhaupt nicht.

Jesu schaut nicht zurück. Er blickt nach vorn. Gottes Werke sollen an dem Kranken sichtbar werden. Und noch mehr: „Wir müssen die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat...“. Jesus selbst will heilen und er will seine Jünger in Zukunft in diese Arbeit miteinbeziehen. Darum sagt er „Wir müssen die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat“.

Wie das in diesem besonderen Fall geschah und welche Folgen das hatte, können Sie im Johannes-Evangelium, Kapitel 9 nachlesen.

Was können wir tun?

Inzwischen muss eigentlich jeder begriffen haben, dass wir Menschen Beziehungswesen sind. Wir leben alle in einem vierfachen Beziehungsgeflecht. Erstens: Wir haben eine Beziehung zu Gott, dem Schöpfer – ob wir es wollen oder nicht. Zweitens: Wir haben eine Beziehung zu uns selbst. Drittens: Wir haben Beziehungen zu anderen Menschen. Viertens: Wir haben Beziehungen zur Umwelt (der Natur, den Dingen). Alle Beziehungen hängen miteinander zusammen. Wenn in einem Bereich, die Beziehungen gestört sind, wirkt sich das auf alle anderen Bereiche negativ aus.

Was können und sollen wir tun, damit unser Leben heil wird? Ich nenne die wichtigsten Punkte:

1. Versöhnung mit Gott

Die grundlegende Beziehung unseres Lebens ist die Beziehung zu Gott. Wenn die gestört ist, hat das verheerende Folgen für alle Lebensbereiche. Versöhnung mit Gott ist die wichtigste Therapie. Eingestehen der Sünden und Vergebung der Sünden von Jesus empfangen – das ist das wichtigste Heilmittel. Dadurch wird die Beziehung zu Gott geheilt.

2. Alles mit Gott besprechen!

Jesus hat gesagt, dass sogar die Haare auf unserem Kopf gezählt seien. Wenn Gott sich um die Kleinigkeiten unseres Lebens kümmert, dann dürfen wir ihn erst recht mit den so wichtigen Anliegen wie Gesundheit und Krankheit beschäftigen. Also besprechen wir es mit ihm. Vergessen Sie nicht für die Gesundheit zu danken. Sie ist ein Geschenk und kein Zufall.

Selbstverständlich sollen wir alle Krankheiten im Gebet Gott nennen und um Hilfe bitten. Es ist gut, das zusammen mit anderen Christen zu tun. In der Bibel wird sogar dazu aufgefordert, dass in jeder christlichen Gemeinde regelmäßig für die Kranken gebetet wird. Im Brief des Jakobus, Kapitel 5,14-16 gibt es dazu Hinweise. Damit unsere Grundbeziehung zu Gott intakt bleibt, werden wir aufgefordert, vor Gott und vor sogar menschlichen Zeugen unsere Sünden zu bekennen und Vergebung zu empfangen.

Der Mensch wird in der Bibel immer ganzheitlich betrachtet. Heilung ist also nicht nur die Reparatur eines kaputten Maschinenteiles. Das hört sich sehr modern an. Die Bibel hat diese Erkenntnis schon lange, bevor es psychosomatische Medizin gab, deutlich ausgesprochen.

Vor wenigen Jahren hörte ich, wie eine Frau über ihren Weg zu Christus berichtete. Ich habe mich sehr darüber gefreut, weil Gott ProChrist dabei gebraucht hat. Sie sah die ProChrist-Plakate in ihrer Stadt. Das Design machte sie neugierig. Sie studierte die Angaben auf dem Plakat und sucht mit einer Freundin eine ProChrist-Veranstaltung auf. Sie hatte bis dahin überhaupt keinen Kontakt zu einer christlichen Gemeinde.

Sie fand überzeugend, was sie hörte, und nahm sich die Woche lang Zeit. Sie wollte gründlicher wissen, wie das mit Jesus ist. Und dann entschied sie sich an einem Abend, mit einem Gebet ihren Weg mit Jesus zu beginnen.

Sie fand in der gastgebenden Gemeinde verständnisvolle Menschen. Sie fing an die Bibel zu lesen. Sie redet in ihrer Firma fröhlich und unbekümmert über ihre neuen Entdeckungen in der Bibel. Eines Morgens stand sie vor dem Spiegel und es fiel ihr auf, dass sie seit einiger Zeit ein quälendes Problem nicht mehr hatte. Über 30 Jahre lang hatte sie sich mit Neurodermitis herumgequält. Alle ärztlichen Bemühungen hatten nichts bewirkt. Sie hatte die Hoffnung auf Heilung längst aufgegeben und versuchte, irgendwie mit dieser Qual zu leben. Nun stellte sie fest, dass diese Plage verschwunden war.

Als sie von dieser Erfahrung erzählte, hatte die offensichtliche Heilung sich schon ein Jahr lang bewährt. Sie hatte nicht einmal um Heilung gebetet. Niemand hatte mit ihr darüber geredet. Und trotzdem hatte sie erfahren, dass Jesus der Arzt ihrer Seele und ihres Körpers war. Er kann heilen und helfen. Und er tut es auf die Weise, wie er es als gut für uns ansieht.

Wir dürfen ihn in allen Nöten vertrauensvoll wie Kinder bitten.

3. Verantwortung übernehmen

Gott hat uns als verantwortliche Personen, nicht als Marionetten geschaffen. Deshalb erwartet er von uns, dass wir auch mit Gesundheit und Krankheit verantwortlich umgehen. Wir müssen lernen, seine guten Gaben dankbar und verantwortlich zu nutzen. Pflegliche Behandlung unseres Körpers, richtige Ernährung und angemessene Bewegung sind Sache unserer Verantwortung. Auch der Umgang mit Ärzten und Medikamenten fordert unsere Verantwortung. Ärzte sind keine Götter, die alles möglich machen müssen. Wir sind dankbar für ihren Dienst. Wir beten für sie um Weisheit. Aber unser Vertrauen setzen wir auf Gott.

Das Vertrauen zu Gott hilft uns auch zu einem verantwortungsvollen Gebrauch der Medikamente. Ein altes Gebetslied enthält den Satz: „Segne unser Tun und Lassen!“ Beides muss gesegnet sein. Manches Zeug zu lassen, fördert unsere Gesundheit mehr, als alles mögliche zu schlucken.

Wir werden immer wieder erleben, dass Gott uns auch ohne menschliches Eingreifen und ohne Medikamente heilt. Er tut es in seiner Freiheit und zu seiner Ehre – und nicht damit wir eine Sensation daraus machen.

4. Liebe weitergeben

„Ich bin krank gewesen, und ihr habt mich besucht.“ Mit diesem Satz wird Jesus im Weltgericht die erwiesene Liebe würdigen. „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ So lesen wir es im Matthäus-Evangelium, Kapitel 25,36.40.

Sicherlich, wenn ein Mensch durch Gott wunderbar geheilt wird, ist das ein Erweise der Liebe und Kraft Gottes. Aber wenn ein Mensch einen Schwerkranken mit Liebe pflegt, dann ist das ein ebenso starker Beweis der Liebe und Kraft Gottes. Die Frucht des Heiligen Geistes ist vor allem die Liebe (Galater-Brief Kapitel 5,22).

Wenn wir die Nächstenliebe verstaatlichen wollen und uns durch Beitragszahlungen von der dienenden Liebe freikaufen wollen, enden wir nicht nur in Zahlungsschwierigkeiten für das Gesundheitssystem, sondern wir erfrieren auch in einer Eiszeit der Herzen.

Heilungsdienst und Pflege von Kranken sind durch das Evangelium von Jesus Christus in Europa und in der ganzen Welt aufgebaut worden. Die aktuellen Probleme der modernen Gesundheitsindustrie zeigen uns, wie nötig Menschen die tätige Liebe anderer Menschen in Krankheit, im Alter und im Sterben brauchen.

Dass wir die heilende Liebe Gottes in Wort und Tat weitergeben, ist noch wichtiger, als dass wir die heilende Kraft Gottes an unserem eigenen Körper zu unserem Wohlergehen erleben. Wenn also jemand sein eigenes Leben nicht so ernst nimmt, dass er sein Verhältnis zu Gott in Ordnung bringen läßt, dann sollte er doch darum den Frieden mit Gott suchen, damit von seinem Leben Heilung und Hilfe für andere ausgeht.