Herzliche Einladung zum Leben
- Konfirmation am 7.5. und 14.5.2006
- Lk 14,15-24
- Dorfkirche Vluyn
- Pfarrer Stefan Vogt
Liebe Gemeinde, und heute ganz besonders, liebe Konfirmandinnen und liebe Konfirmanden!
Ihr seid heute nicht zuhause geblieben. Ihr seid hier um dieses Fest mit uns allen zu feiern.
Viele sind extra für euch angereist- und manche habe einen weiten Weg auf sich genommen. Sie alle wollen mit euch ein großartiges Fest feiern. Und alle Vorbereitungen dafür sind getroffen. Stellt euch jetzt bitte mal vor, heute morgen hätte einer von euch in letzter Minute gesagt: "Ich will nicht feiern. Was soll ich mit den ganzen Geschenken. Ich will kein Fest feiern!"
Was würdet ihr von so jemanden halten, der freiwillig in letzter Minute auf das ganze Fest verzichtet und auf alles, was ihr heute bekommt. Der so kurz vor dem Ziel aufgibt. Der wäre doch verrückt, oder? Der würde sich doch was entgehen lassen, oder?
Ganz ähnlich verhalten sich aber die Leute in der Geschichte, die wir vorhin aus der Bibel gehört haben. (Lk 14,15-24) Sie sind zu einem Fest eingeladen und hatten ihr Kommen bereits zugesagt. Als das Fest dann endlich beginnen soll, sagen sie alle kurz vorher ab. Ein Fest ohne Gäste, das ist kein Fest.
Der erste hat gerade eine Immobilentransaktion abgewickelt, er hat ein Grundstück gekauft, und will sich das ausgerechnet jetzt ansehen. Das wäre einen Tag später sicher auch nochgegangen. Der zweite hat ein halbes Vermögen für zehn Ochsen ausgegeben und will sie jetzt begutachten. Auch das wäre einen Tag später auch noch möglichgewesen. Der dritte will seine Frau nicht alleine lassen, weil sie erst kurz vorher geheiratet haben. Ich habe mich gefragt warum er seine Frau nicht einfach mitbringt? So hat jeder seine Ausrede um nicht auf das Fest zu gehen.
Jesus erzählt die Geschichte, weil er damit sagen will: Genau so ist es auch mit uns. Gott ist der Gastgeber und wir sind eingeladen mit ihm zu feiern. Gott veranstaltet ein richtiges Fest und wir dürfen seine Gäste sein. Ihr Konfis seid sozusagen heute die V.I. P´s,die very important persons auf Gottes Gästeliste. Ihr werdet nachher gefragt, ob ihr eure Taufe heute bestätigen wollt, oder anders gesagt, ob ihr die Einladung zu einem Leben mit Gott annehmen wollt und ob ihr beim Fest Gottes dabei sein wollt.
Wenn Gott ein Fest feiert, dann wird das was Großes darauf könnt ihr euch verlassen. Im Himmel wird getanzt und gelacht, da wird gesungen und gegessen. Da ist Freude angesagt. Gott will ein Fest mit uns feiern und an seiner Festtafel ist für jeden von euch ein extra Platz reserviert.
Wenn wir gleich als Konfirmandengruppe das Abendmahl miteinander teilen, ist das schon ein kleiner Vorgeschmack auf dieses große himmlische Festmahl bei Gott. Ihr dürft dabei sein. Und ihr wollt auch dabei sein.
Gott lädt aber nicht nur euch Konfirmanden ein, sondern alle Menschen, ganz gleich ob arm oder reich, jung oder alt, ganz gleich welcher Hautfarbe oder Nationalität.
Wie kommt es aber, dass nicht alle Gottes Einladung annehmen? Ich denke es gibt mindestens vier Gründe dafür, und bestimmt noch mehr, die ich mal benennen möchte:
Der erste Grund, warum manche die Einladung Gottes in den Wind schlagen ist: Sie haben keine Zeit.
1. Keine Zeit
Für manche Leute ist die Beschäftigung mit religiösen Fragen Zeitverschwendung. Für so was haben Sie keine Zeit, sagen sie. Dabei hat doch jeder 24 Stunden am Tag. Es fragt sich doch nur ob wir uns die Zeit für Gott nehmen. Hinter der Aussage: ich habe keine Zeit für Gott, steht doch es ist mir gar nicht wichtig. Wenn wir alle eine Stunde mehr Zeit hätten, würde sich dadurch etwas ändern?
Die Antwort gibt diese Geschichte:
Die Engel meldeten dem Schöpfer, dass die Menschen fast ganz aufgehört hätten zu beten und sich für Gott zu interessieren. Sie hätten keine Zeit mehr dafür. Daraufhin beschloss der himmlische Rat: Gott solle den Tag verlängern! Damit die Menschen wieder mehr Zeit für ihn hätten. So schuf Gott noch eine 25.Tagesstunde.
Gegen alle Erwartung kamen im Himmel aber nicht mehr Gebete an als bisher. Die Menschen nutzen die zusätzliche Zeit gar nicht für Gott, obwohl sie jetzt doch Zeit haben, die sie vorher nicht hatten. Die Geschäftsleute waren froh, dass sie nun eine Stunde länger öffnen konnten, und die Gewerkschaft forderte, die neue Stunde müsse zusätzlich zur Erholung freigehalten werden. Einige Intellektuelle forderten in einem Artikel in der Zeit, dass doch jeder Bürger über die Verwendung der 25. Stunde frei entscheiden dürfe.
Einige Engel beobachteten, dass es einige wenige Menschen gab, die die 25. Stunde für Gott nutzen. Sie lasen in der Bibel, sie nahmen sich Zeit für das gebet und für den Gottesdienst.
Die Engel staunten nicht schlecht: Es waren genau dieselben Menschen, die auch schon vorher Zeit für Gott und für das gebet eingeplant hatten, die das in der 25.Stunde taten. Daraufhin wurde beschlossen, Gott zu bitten, die 25. Stunde wieder abzuschaffen. Und so geschah es.
Was machen wir mit unseren 24 Stunden, die uns zur Verfügung stehen? Der Schauspieler Heinz Rühman hat einmal gesagt: "Die Zeit ist zu kostbar, um sie mit falschen Dingen zu verschwenden."
Kann Zeit, die wir mit Gott oder mit der Frage nach Gott verbringen verschwendete Zeit sein?
Wer keine Zeit für Gott hat überdenke doch bitte wo seine Prioritäten liegen. Ihr liebe Konfis habt euch 1, 1/5 Jahre Zeit genommen für die Frage nach Gott. Ich empfehle euch, dass ihr auch in Zukunft noch Zeit für ihn in euerm Leben reserviert. Zum Beten, zum Bibellesen, oder zum Gottesdienst.
2. keine Einladung erhalten
Ein zweiter Grund warum manche auf Gottes Einladung nicht reagieren ist die Frage:
Woher kann ich überhaupt wissen, dass ich eingeladen bin? Woher weiß ich, dass ich gemeint bin? Vielleicht denkst du: In meinem Briefkasten ist noch keine Einladungskarte eingetrudelt. Auf meinem Handy habe ich auch noch keine SMS von Gott empfangen und im Chatroom habe ich auch noch nichts davon gehört. Also warum soll gerade ich eingeladen sein?
Im Gleichnis, das Jesus erzählt werden die Boten genannt, die die Einladung aussprechen.
Das sind wir Christen. Jeder von uns soll ein solcher Bote sein, der anderen die Einladung Gottes weitersagt. Komm sag es allen weiter, ruf es in jedes Haus hinein, komm sag es allen weiter Gott selber lädt uns ein.. heißt es in einem Gospel.
Es ist unsere Aufgabe als Gemeinde die Einladung Gottes den Menschen zu sagen. Evangelium heißt ja nichts anderes als: gute Nachricht. Wir haben nicht nur eine gute, sondern die beste Nachricht für diese Welt, die wir nicht verschweigen brauchen. Gott liebt dich. Du darfst zu ihm kommen, wie du bist.
Gott lädt dich ein zu seinem Fest.
Darum geht es in unserer Gemeinde, in unserer Jugendarbeit, in unseren Gottesdiensten. Wir wollen die Einladung Gottes immer wieder neu aussprechen. Trotzdem kommt diese Einladung nicht überall an. Ich habe da eine neue Idee, die ich euch Konfis und uns allen heute einmal vorstellen möchte.
Ich weiß das Jugendliche gerne SMS-Botschaften mit dem Handy verschicken. Im Jahr werden über 20 Milliarden solcher SMS-Nachrichten verschickt.
Dabei hat sich eine eigene Sprache entwickelt, die vor allem aus Abkürzungen besteht damit man nicht soviel eintippen muss.
Von meiner Tochter Debora konnte ich da etwas lernen
Da gibt es z.B.
HDL > hab dich lieb
HDGDL > hab dich ganz doll lieb.
Neuerdings in Mode gekommen sind
LDGD - lieb dich ganz doll
oder LDÜA - lieb dich über alles.
Wem das immer noch zu lang ist der schreibt einfach
LD > lieb dich
Mein Vorschlag ist nun der: wie wäre es, wenn wir diese Abkürzungen um einen Buchstaben erweitern
Aus LD wird GLD: Gott liebt dich.
oder JLD= jesus liebt dich
ihr könnt aber auch schreiben:
GLDGD Gott liebt dich ganz doll oder
JLDÜA - jesus liebt dich über alles
Auch auf die Art und Weise könnte man miteinander über den Glauben ins Gespräch kommen und die Einladung Gottes weitersagen. Wenn sie allerdings nicht auf so eine SMS warten wollen, oder gar kein Handy besitzen, sagen ich ihnen hiermit: Auch sie sind von Gott eingeladen. Auch Sie dürfen zu ihm kommen.
Neben denen, die keine Zeit für Gott haben und denen die die Einladung noch gar nicht gehört haben gibt es drittens diejenigen, die falsche Vorstellungen vom Gastgeber haben.
(3)
Manche nehmen die Einladung nicht an, weil Gott als Gastgeber gar nicht in ihr Bild passt. Sie haben sich von Gott bereits ein eigenes Bild gemacht
Da ist der Milchstraßen-Gott, der als höheres Wesen irgendwo dazugehören darf, aber in meinen Alltag nicht vorkommt.
Da ist der der Babysitter-Gott, der nur ab und zu gebraucht wird um auf die Kinder aufzupassen.
Da ist der der Waschlappen-Gott, der uns von Zeit zu Zeit vom Staub und Schmutz des Lebens reinigt.
Da ist der der Lückenbüßer-Gott, der einspringt, wenn wir nicht mehr weiterwissen.
Da ist der Feuerwehr-Gott, der schnell kommen soll, wenn es brennt. Aber besser ist, man braucht ihn gar nicht.
Da ist der Planierraupen-Gott, der die Hindernisse auf dem Weg zum Glück beiseite schieben soll.
Da ist der Uhrmacher-Gott, der einmal am Anfang alles in Gang gesetzt hat und jetzt alles laufen lässt.
Da ist der Automaten-Gott, der funktioniert, wenn man Glaube und Gebet einwirft.
Da ist der Dekorations-Gott, der unsere Familienfeste und Lebenshöhepunkte wie eine hübsche Girlande verschönern soll.
Alle diese genannten Gottesbilder haben das Problem, das wir Menschen Gott für unsere Zwecke einspannen.
Jesus stellt uns Gott so vor, wie er wirklich ist: als Gastgeber der uns zu sich einlädt. D.h. wir sollen uns auf den Weg machen zu ihm, zu seinem Fest. Altes zurücklassen und unsere selbstgemachten Gottesbilder ablegen. Erst dann werden wir wirklich offen dafür Gott zu begegnen.
Dann habe ich als letztes noch einen Grund ausfindig gemacht, der Menschen abhält auf Gottes Einladung zu antworten, es ist
4. Die Angst, man müsste ein zu großes Geschenk mitbringen
Vielleicht scheuen wir uns davor, Gottes Einladung anzunehmen, weil wir meinen wir müssen ein großes Geschenk mitbringen. Für manche ist Glauben mit einer Leistung verbunden, bei der es darauf ankommt etwas für Gott zu tun oder auf etwas zu verzichten was mir Spaß macht. Beides wollen wir in der Regel nicht. So reagieren manche auf die Einladung Gottes mit Misstrauen. Sie können nicht glauben, dass Gott sie wirklich beschenken will. Ohne Zusatzbedingungen, ohne Kleingedrucktes ohne wenn und aber. Im Unterbewusstsein steckt die Angst dass Gott zu viel von uns erwartet oder uns überfordert.
Für manche ist Gott so wie dieser Mann, der ein Fest ausrichtet und andere dazu einladen möchte. Insgeheim möchte er, dass jeder ein Geschenk mitbringt, aber das sagt er nicht so offen. Er macht es so: Er fragt: weißt du eigentlich wo ich wohne? Und dann gibt er eine kurze Wegbeschreibung. Ich wohne in der Webergasse 11. Da gehst du in den Hof und dann durch den Hof durch. Und im Hinterhaus die Treppe hoch. Im 2.Stock den Gang links entlang und dann rechts die zweite Tür. Da wohne ich. Und da klopfst du dann kräftig - mit dem Fuß! Warum mit dem Fuß? wird er dann gefragt, worauf er dann antwortet: Nun - ich hoffe du wirst doch wohl nicht mit leeren Händen kommen.
Bei Gott ist das anders. Wenn er uns einlädt sollen wir sogar mit leeren Händen kommen. Dann sind wir die Beschenkten, dann müssen wir uns nicht den Kopf darüber zerbrechen, wie wir uns auf das Fest vorbereiten, was wir anziehen, oder was wir mitbringen sollen. Wir können so kommen wie wir sind. So wie die Leute von den Hecken und Zäunen in der Geschichte. Die hatten keine Zeit irgendetwas vorzubereiten. Gott freut sich an uns, so wie wir sind.
Wer also sagt er habe keine Zeit für Gott, oder er habe die Einladung noch gar nicht gehört, oder er hat eine falsche Vorstellung vom Gastgeber und meint er müsse etwas großartiges vorweisen können, der darf seit heute wissen. Nein. Ich darf so kommen wie ich bin.
Ihr, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden seid heute nicht zuhause geblieben. Ihr seid hier um dieses Fest mit uns allen zu feiern. Ihr seid der Einladung Gottes gefolgt und ihr wollt dabei sein. Ihr sagt heute euer Ja zu der Einladung Gottes, die er in der Taufe zu euch ausgesprochen hat.
Mein Wunsch für euch alle ist es, dass ihr den guten Weg, den ihr in den vergangenen 1,5 Jahren gegangen seid, auch weiterhin geht. Dabei sollt ihr wissen, dass ihr diesen Weg nicht alleine geht, sondern dass Gott euch auf diesem Weg begleitet und segnet.
Auch die Gemeinde wird für euch immer offene Türen haben. Vielleicht sehen wir uns beim Jugendgottesdienst am nächsten Sonntag um 19 Uhr hier in der Kirche? Ihr dürft euch einbringen mit dem, was euch wichtig ist, oder auf dem Herzen liegt. Wir brauchen euch mit euren Ideen, mit euren Fragen und Ansichten, damit wir immer mehr zu einer Gemeinde werden, der es gelingt anderen auf ansprechende Art und Weise die Einladung Gottes weiterzusagen.
