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Wie kommt ein Mensch zum Glauben?

  • 3.Sonntag nach Epiphanias
  • 2.Könige 5, 1-19
  • 22.1.2006
  • Prediger: Stefan Vogt
  • Dorfkirche Vluyn

Liebe Gemeinde,
wie kommt ein Mensch zum Glauben? Welche Rolle spielen dabei andere Menschen? Was steht uns dabei im Wege und was kann uns dabei helfen?
Werfen wir einen Blick in das Alte Testament auf den für heute vorgeschlagenen Predigttext in 2. Könige 5. Ich lese eine Zusammenfassung des Bibeltextes da er sehr lange ist.
Naaman, der General der siegreichen Armee des Königs von Aram, wurde von Aussatz befallen. Seine Frau hatte ein junges Mädchen aus Israel als Dienerin, die man bei einem Beutezug aus Israel verschleppt hatte. "In meinem Land gibt es einen Propheten, der ihn heilen könnte", sagte sie ihrer Herrin. Naaman bat seinen König, nach Israel gehen zu dürfen, um geheilt zu werden. Der König willigte ein und schickte ihn mit einem Schreiben und mit Geschenken zum König von Israel.
Der König von Israel vermutete eine Falle. "Denkst du, ich kann Aussatz heilen? Das ist ein Trick um Unfrieden zwischen unseren Ländern zu stiften!" schrie er.
Als Elisa davon hörte, übermittelte er dem König eine Botschaft: "Schick ihn zu mir, und er wird erkennen, dass es einen Propheten in Israel gibt."
Naaman machte sich auf den Weg zu Elisa. Durch einen Boten ließ Elisa ihm ausrichten: "Bade siebenmal im Jordan, und du wirst geheilt werden."
Naaman war verärgert. "Ich dachte er würde mich treffen, zu seinem Gott beten und mich dann heilen. Auch in Damaskus haben wir Flüsse, warum konnte ich mich nicht dort waschen?" Seine Diener versuchten ihn zu beruhigen. "Wenn er etwas Schweres verlangt hätte, hättest du es etwa getan? warum tust du nicht das Einfache?" Naaman willigte ein und tat, wie Elisa geraten hatte. Als er das siebte mal aus dem Wasser auftauchte, war seine Haut rein, wie die eines Kindes.
Er ging zurück zu Elisa und sagte: "Jetzt weiß ich, dass euer Gott der einzige Gott ist. Nun werde ich nur noch ihm opfern." Elisa segnete Naaman, bevor er wieder in sein Land zurückkehrte.

Begleiten wir nun diesen syrischen General Naaman auf seinem Weg zum Glauben, der gleichzeitig ein Weg seiner Heilung war.

1. Die Ausgangslage
Wer ist dieser Naaman, was ist das für ein Mensch?
Als erstes fällt auf. Es gibt zwei Seiten in seinem Leben.
Die eine Seite ist sein Erfolg, sein Ansehen, seine Stellung die er sich erworben hat und damit sicherlich auch ein gewisser Reichtum und Wohlstand in dem er und seine Familie leben konnte. Als General hat er es weit gebracht auf der Karriereleiter. Über ihm steht nur noch der König unter ihm die ganze Armee.
Aber das alles ist nur die eine Seite seines Lebens und macht ihn nicht wirklich glücklich. Naaman war plötzlich gezeichnet von einer schlimmen Krankheit: Aussatz, oder wie wir auch sagen Lepra.
Was nützte ihm nun sein Geld, sein Ruhm und sein Status, wenn ihm doch diese Krankheit das Leben schwer machte und an vielem hinderte.
Wenn er sich morgens anzog ging das nur unter großen Schmerzen, denn die Kleidung reibt sich an den Geschwüren seiner haut. Und wenn er dann in den Spiegel blickte, dann sah er nicht mehr den starken, wohlproportionierten und durchtrainierten Körper nach dem sich die Frauen auf der Straße umdrehten und ins Träumen gerieten, sondern er sah sein Elend das sich auch nicht mit etwas Schminke überdecken ließ und dass er nicht ablegen konnte wie einen Mantel oder ein Hemd. Jede Sekunde wurde er an sein Elend erinnert.

So sehr die Menschen ihn auch früher bewunderten - so sehr halten sie jetzt doch Abstand von ihm. Es ist kaum vorstellbar wie sehr er darunter gelitten haben muss.
Naaman hat nicht nur körperliche Wunden, sondern auch seelische, die man auf den ersten Blick nicht erkennt.

Naaman das ist der Mensch in dem wir uns vielleicht selber wiedererkennen.
Äußerlich gesehen geht es vielen vielleicht sehr gut. Sie haben es zu etwas gebracht, wie man sagt. Familie, einen angesehenen Beruf, vielleicht eine eigene Wohnung oder ein Haus, selbstverständlich ein Auto oder sogar zwei. Man kann sich das eine oder andere leisten, in den Urlaub fahren und sich das Leben so angenehm wie möglich zu machen. Doch der Schein trügt. Hinter den Kulissen sieht es doch oft anders aus. Da stoßen wir dann auf alle möglichen Formen von "Aussatz" die einem das Leben erschweren. Da kriselt die Beziehung, da fehlt die Zeit für die Familie, da verfällt einer der Alkohol- oder der Spielsucht oder plötzlich kommt eine Krankheit ins Spiel, mit der niemand gerechnet hatte.
Menschen wie Naaman deren Leben steil nach oben verläuft und die dann ganz schnell wieder nach unten fallen, die gibt es in vielerlei Spielarten.

Was ich an Naaman erkenne ist dies: Man kann ein angesehener Mensch sein, erfolgreich, beliebt, wohlhabend, geachtet und einflussreich, und doch gleichzeitig innerlich arm und leer sein, ausgebrannt und ausgepowered.

2. Naaman gibt nicht auf
Naamann ist kein Typ der Zuhause sitzt und abwartet. Er wird alle Hebel in Bewegung gesetzt haben und die besten Ärzte wird er bereits aufgesucht haben, aber die konnten nichts machen. Es gibt Krankheiten, da stößt die Medizinische Forschung an Grenzen. Jetzt ist er am Ende und weiß nicht mehr weiter.
Wenn jemand helfen kann, dann ist es Gott. Wie kommt nun dieser Syrische General zum Glauben an den Gott Israels? Was veranlasst ihn dazu?

3. Menschen zeigen uns den Weg

In seinem eigenen Haushalt lebt seit einiger Zeit ein jüdisches Mädchen. Sie ist seiner Frau als Dienerin unterstellt. Durch dieses einfache Mädchen macht sich Naaman auf die Suche nach Gott. Durch ihre Worte und durch ihren Lebenswandel wird er auf den Gott Israels aufmerksam. Sie erzählt von Elisa, dem Propheten in Israel durch den Gott Wunder tun kann. Es ist der kindliche Glaube dieses Mädchens an die Kraft und die Macht Gottes, die ihn beeindruckt und gleichzeitig neugierig macht.

Andere hätten an der Stelle des Mädchens vielleicht gedacht. Geschieht ihm recht, er hat bekommen was er verdient. Denn schließlich hat er sie aus ihrer Heimat nach Syrien verschleppt. Dieses Mädchen hätte allen Grund gehabt ihn zu verachten.

Aber sie praktiziert, was Jesus später von uns allen erwartet als er sagt: liebet eure Feinde und segnet die die euch verfolgen.
Bewundernswert.
Naaman wird durch ihr Glaubenszeugnis angesprochen - ein Kind bringt diesen hochkarätigen General dazu sich auf den Weg des Glaubens zu machen. Er will nach Israel gehen um sich heilen zu lassen.
Gott gebraucht auch heute Menschen um auf sich aufmerksam zu machen. Wenn ich Sie frage warum sie heute hier im Gottesdienst sind, dann gibt es mit hoher Wahrscheinlichkeit mindestens einen Menschen, der sie irgendwann einmal neugierig auf Gott gemacht hat, der wie dieses Mädchen von seinem Glauben gesprochen hat mit Worten oder durch sein Leben.

4. Erste Schritte auf dem Weg
Als Naaman sozusagen eine Kur beim König beantragt geht dieser davon aus, dass die spezielle Behandlung höchstwahrscheinlich einiges Geld kosten wird. Als König kann er hier seine Beziehungen spielen lassen. Auf höchster diplomatischer Ebene - von König zu König - wird sich sicher einiges regeln lassen, was sonst vielleicht nicht möglich wäre - hier zeigt sich menschliches Denken. Ausgestattet mit Geschenken und einem offiziellen Schreiben zieht Naaman mit seinen Dienern nach Jerusalem zum König. Der allerdings versteht nicht im Geringsten was hier vor sich geht und dass Gott dahinter steht. Er vermutet eine Falle, die ihm gestellt wird und er zerreißt seine Kleider. "Bin ich etwa Gott der heilen kann?"
Anstatt hier eine Möglichkeit für Gottes Handeln zu erkennen, indem er auf den Propheten Elisa hinweist, sieht er nur sich selber und seine begrenzten Möglichkeiten. In schwierigen Situationen ist der erste Gedanke, der uns kommt, nicht immer der richtige. Wir sollten auch mit den Möglichkeiten Gottes rechnen und ihm Großes zutrauen.

5. Weitere Schritte
Jetzt schaltet sich der Prophet Elisa ein. Er lässt Naaman zu sich kommen als er vom Zerreißen der Kleider des Königs hört. Der Prophet Elisa wird neben dem Mädchen eine weitere wichtige Person auf seinem Weg zum Glauben. Er gibt ihm die Anweisung durch einen Boten, dass Naaman sich siebenmal im Jordan waschen soll.
Nach seiner langen und anstrengenden Reise hätte Naaman mit allem gerechnet und er war auf alles vorbereitet und er hätte alles getan um geheilt zu werden, nur nicht das, was er hier hört. Das ist ihm zu einfach. Dafür hätte er sich nicht auf den Weg begeben müssen, denn die Flüsse in Damaskus sind klarer und reiner als das trübe Gewässer des Jordan. Das ist ihm zu billig, davon will er Abstand nehmen und er will schon wieder umkehren.

6. Der entscheidende Schritt
Nach dem Mädchen und dem Propheten sind es jetzt die Diener des Naaman, die Gott gebraucht um ihn zum Glauben zu führen.
Beinahe wäre Naaman wieder enttäuscht nach Hause gegangen ohne geheilt zu werden, ohne Gott in seinem Leben erfahren zu haben. Er war schon so dicht dran und hätte beinahe alles verpasst. Er war bereit seine Suche nach Gott aufzugeben, nur weil er es sich anders vorgestellt hatte, weil es nicht in sein Bild von Gott hinein passte.
Wie gut, das hier wieder Menschen da sind zur richtigen Zeit mit den richtigen Worten.
Sie lassen ihn nicht einfach gehen mit der Einstellung, dass jeder seinen eigenen Glauben hat. Nein, sie ermutigen ihn jetzt nicht aufzugeben.
Mit allem Respekt vor ihrem Vorgesetzen reden sie auf ihn ein, reden ihm gut zu, denn sie haben begriffen, worum es geht. "Es ist nicht deine Größe die dich retten kann, sondern allein die Größe Gottes". Der Weg zu deiner Heilung ist einfacher als du denkst.

Der Weg zum Glauben ist einfacher als wir denken. Für Naaman hieß es geh und wasche dich siebenmal und du wirst rein. Für uns heißt es, Glaube an den Herrn Jesus und du wirst gerettet.
So einfach kann der Glaube sein. Doch wie schwer ist es diese Einfachheit anzunehmen.
Wir neigen wie Naaman dazu den Glauben kompliziert zu machen. Wir können uns nicht vorstellen, dass es so einfach ist, dass der Glaube an Jesus Christus genügt um gerettet zu werden. Und vor allem, dass es ganz und gar umsonst ist und nichts kostet. Tausend Gegenargumente fallen uns ein um das nicht zu glauben.
Das nehme ich aus der Erzählung heute mit: Gott führt Menschen auf seinen Weg zum Glauben anders als wir uns das denken. Einfacher als wir es wahrhaben wollen. Und vor allem, er will uns gebrauchen, wie das Mädchen, das von seinem Glauben weitererzählt, wie Elisa, der Gottes Wort weitersagt oder wie die Diener des Naaman, die gegen alle Widersprüche und Einwände zum Glauben ermutigen.

7. Rückkehr
Am Ende verabschiedet sich Naaman schließlich von seinem Stolz und von seinen eigenen Vorstellungen, die er mitbrachte. Er tut was Elisa ihm sagt, macht sieben Kniebeugen im Jordan und er wird tatsächlich geheilt, wie es Elisa gesagt hat.
Voller Dank und voller Freude kehrt er wieder zurück in sein Land und er weiß: jetzt diene ich dem Gott Israels.
Jetzt hat mein Leben einen neuen Inhalt und ich weiß Gott lebt und ich will von jetzt an für ihn leben.